Aber nein, dieses Logo!

Die Bürgermeisterin meiner Stadt Meldorf möchte das Leitbild ‚cittaslow‚ auf unser Städtchen anwenden. Die Voraussetzungen dafür sind blendend. Denn alles, was die Identität dieses Städtchens ausmacht, ist Teil des Kriterienkatalogs von cittaslow. Ist das nicht toll? Die Gegner dieser Strategie sagen nun, das Logo für Cittaslow stehe für Stillstand und Schneckentempo und sei ganz fürchterlich. Die Bürgermeisterin müsse mehr für Wirtschaft und Industrie tun. Tourismus bringe keine neuen Arbeitsplätze.

Das fürchterliche Logo von cittaslow wurde etwa 1999 entwickelt:
citta-slow-logo

Böswillig könnte man dieses Bild jetzt so interpretieren: Die Stadt wird von der Schnecke Huckepack genommen.

Das Marktplatzkonzept des größten Meldorfer Industriebetriebs ging 2006 ans Netz:

Inspiration

Das Logo wollen wir jetzt nicht böswillig interpretieren. Nein!

Viel wichtiger ist: Die Aldra-Grafiker_innen haben Recht. Logos brauchen mehr KlarheitDie Slow-Food-Schnecke ist zu verspielt. Das haben übrigens  auch die Slow-Fooder_innen erkannt und fragen derzeit nach der Zukunftsfähigkeit der Schnecke.  Die logische Fortentwicklung sähe so aus:

cittaslow-reduziertDie hässliche Assoziation des Saat schlingenden Schleimtieres wäre beseitigt.
Aber es ist immer noch zu verspielt. Gehen wir den entscheidenden Schritt:

cs-logo-neuJetzt kann sich jeder Mensch vorstellen, dass das Slow-Food-Logo auch bei individuellen Abwandlungen oder Farbgebungen eindeutig erkennbar bliebe. Versehen mit dem Schriftzug ‚cittaslow‘ oder ‚Slow-Food‘ kann so ein korporatives Signet verschiedene Logos  prägen.

 

 

Postmoderne Antworten

Büsum Knickhaus

Das Wachstum des deutschen Bädertourismus stellte die Baukunst vor ungeahnte Herausforderungen. Besonders die Postmoderne nahm sie freudig an und walmte tätig so hoch es irgend ging.

HochwalmPostmoderne Elite-Architekten reihten Edelstein an Edelstein.

BernsteinSie nahmen die Vorbilder aus der Nachbarschaft ihrer Grundstücke auf …

Vorbilder… und deckte sie ansprechend mit dem Reet armseliger Fischerkaten ein.

Armselige FischerkatenMag die eine oder andere Lösung vielleicht die Vergangenheitsprojektionen der Bauherren erfüllen,

hafenresidenzso fehlt es ihr gelegentlich dennoch an gefälliger Proportion.

 

Schild und Fluxus

Null Worte
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In unserer letzten Lektion zur Promulgatorik hatten wir herausgearbeitet: Das Optimum der Kommunikation über Schilder ist eine klare Anweisung mittels eines Hauptworts, das Befehlscharakter aufweist. Wir hatten es am Beispiel des Befehls „Fernglas!“ eineindeutig beweisen können, was in der Kommunikationslehre eher selten ist. Weniger Worte sind nicht zu empfehlen, wie das neben stehende Beispiel belegen mag. Es sei denn die Kombination der Gegenstände soll ausdrücken, dass der Briefkasten an Masern erkrankt sei.

Flusxus für Bestattungen
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Eine Möglichkeit, trotz einer Mehrwortkommunikation auf Schildern Missverständnisse zu vermeiden, ist es eine Fluxus-Installation beim Schild aufzustellen. Die Installation lädt ein, das Angebot zu überdenken, selbst einfachste Bestattungen à la IKEA mit einem handelsüblichen Anhänger und PKW sind machbar. Es möger der Leser, die Leserin interpretieren, wie sie es wolle. Wir sehen die Kunstform des Fluxus endlich fruchtbar gemacht für die werblichen Interessen einer prä-postkapitalistischen Gesellschaft.

Strandkorb aus Meisterhand
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Schön auch hier ein Strandkorb aus Meisterhand, wir sehen: Alle Reparaturen sind perfekt gelungen. Dieser Fluxus ist die konsequente Antwort auf den Kernsatz der Promulgatorik, man solle sein Schild auf ein Substantiv als Anweisung reduzieren. Ohne eine solche Interpretation mit Hilfe einer Fluxus-Installation gerät die Absicht derjenigen Stelle, die ein Schild aufstellt, leicht ins Hintertreffen. Dann nämlich ergreift wohl möglich die Gegenseite die Initiative, stellt auf und kontert:

Kein Abfall nur Schrott
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Müll und Abfall sollen hier nicht hin. Aber gibt es das heutzutage denn überhaupt? Der Eigentümer der Schrottmulde sagt eindeutig: Nein! Denn hier handelt es sich doch nur um Schrott. und Schrott ist Wertstoff, basta!

Zum Abschluss möchten wir unseren geneigten Leserinnen und Lesern noch eine Aufgabe stellen: Welche Instalationen würden Sie empfehlen, um die beiden nachfolgenden Schilder kongenial zu interpretieren?

Helgoland und das horizontale Angebote
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Hummer und Krabbe
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Wo bleibt das Positive?

Einige Freunde meiner promulgatorischen Betrachtungen vermissen das Positive. Wir kämen, so sagen sie, ohne Bildzeichen nicht aus. Sie wünschen sich daher eine ermutigende Richtschnur für alle, die moderne Bildzeichen entwickeln. Hier ist sie:
Zambujeira do Mar - Das Schild

An der Aussage gibt es nichts zu deuteln. Wenn wir unser Ziel erreicht haben, wird das touristische Auge in erster Linie dorthin blicken und auf den Auslöser drücken:
Zambujeira do Mar - Die Bucht

Nur können sie diesen Blick an jedem Kiosk auf einer Postkarte finden. Der weiter südlich gelegene Felsen daneben dürfte normaler Weise weniger Aufmerksamkeit erregen. Allerdings ist dieser Felsen der Grund für die wahre Bedeutung des Schildes:
Zambujera - Felsen

Folgen wir in dieser Blickrichtung der Anweisung des Hinweisschildes, dann erblicken wir das:
Die Störche im Blick

Daraus leiten wir jetzt den ersten Kernsatz der Promulgatorik ab: Beschränke Dein Schild auf ein präzises Hauptwort (Substantiv, Nomen). Das Hauptwort sollte am besten einen Gegenstand benennen, nichts Abstraktes. Dann wird auch ein Bild auf dem Schild besser verstanden als Darstellungen anderer Wörter.

Hohnbeer

In der Kreisstadt

Heide im Windgibt es ein lokales Brauchtum, die Hohnbeer. Ein solches Volksfest ist eine ernste Angelegenheit, noch viel ernster als Karneval oder anderer Spaß. Deshalb ist die Hohnbeer als Wortmarke beim Patentamt angemeldet. Niemand sonst darf unter dem Namen Hohnbeer ein Volksfest veranstalten oder eine sportliche oder kulturelle Aktivität (Nizzaklasse  41) entfalten, niemand darf das Wort Hohnbeer für Bier, Mineralwasser oder andere alkoholfreie Getränke verwenden (Nizzaklasse 32) und niemand darf ohne Genehmigung das Wort Hohnbeer auf „Abzeichen, nicht aus Edelmetall; Anstecker (Buttons); Aufnäher (Kurzwaren)“ bringen (Nizzaklasse 26).  Wer sich ein eigenes Bild vom Ernst der Lage machen möchte, lese die Hinweise zum Urheberrecht der Internetseite der Östereggen Hohnbeer, auf die wir hier lieber nicht verlinken, weil uns sonst ein Mann mit einer königlich preußischen Pickelhaube auf dem Kopf  Hops nähme, als kennte er den Rechtstaat nicht,  und in ein preußisch-deutsches Arbeitslager steckte, so sehr wird auf jener Internetseite mit dem juristischen Säbel gerasselt. So ernst ist das Feiern in Heide, du Christ!

Nun dängt sich den rundet hundert Millionen deutschen Muttersprachlern sicherlich die Frage auf, warum irgendjemand freiwillig auf die Idee kommen sollte, sein Fest, sein Mineralwasser oder … ‚Hohnbeer‘ zu nennen oder dieses Wort auf einen Wimpel oder auf ein Abzeichen zu pressen. Gut: ‚beer‘ als plattdeutsch für Fest, das mag noch bei ein paar tausend Niederdeutschen durchgehen. Aber ‚hohn‘, also ich meine in dieser Schreibweise klingt das doch wie Hohn. Erklärung: Wir sollten es wohl eher „hån“ schreiben, denn so ausgesprochen klingt der plattdeutsche Hahn. Es geht also um ein Hahnfest? Wer würde sein Volksfest freiwillig so nennen? Freiwillig!

Wie so viele Volksbräuche geht auch das Heider Hånbeer-Fest auf eine eher feige Tierquälerei zurück. Man sperrte einst einen Hahn in eine Tonne und steinigte sodann die Tonne, um das Tier zu befreien. Wenn der arme Vogel diese hochnotpeinliche Tortur ohne Herzinfarkt überlebte, feierte man das als gutes Zeichen für das neue Jahr. Laut Wikipedia haben wir es dem Heimatdichter Klaus Groth zu verdanken, dass diesem rüden Brauch mittelalterlicher Bauerntrampel ein Ende bereitet wurde. Damals fing man dann an zu boßeln. Das Fest konnte bleiben und wird bis heute mit Frack und Zylinder begangen. Und wenn der Bauer Zylinder trägt, ist es mit dem Witz vorbei.

Verehrte Besucherinnen und Besucher der Stadt Heide,

Roter Hahnbitte erschrecken Sie nicht, wenn Sie in der Stadt Heide über die Denkmäler für dieses Brauchtum stolpern. Bei dem Exemplar links ist zu beachten, dass auf einem Stein davor erklärt wird, was diese metallene Schöpfung ausdrückt. Der Hahn wurde sogar auf einen gemauerten Sockel erhoben. Das unterscheidet dieses Exemplar deutlich von seinen Konkurrenten, bei denen die heute verbotenen Wurfsteine betont werden. Wie immer in der großen Kreisstadt Heide ist es nun aber wichtig, das Objekt der Kunst in seinem kulturellen, urbanen Ambiente zu bewundern:

Nordereggen HohnbeerUnsere Kritiker werden jetzt wieder einwenden, diese Darstellung im Foto sei polemisch. Aber kann denn ein Foto wirklich polemischer sein als die Wirklichkeit? Es gibt Selbstironie und, wie wir hier sehen, also auch Selbstpolemik. Und die Leute, die solch städtebauliche Unglücke setzen, melden dafür auch noch Schutzrechte an. Welche Schulen der Nation übernehmen dafür die Verantwortung? Gut, ja: wir nehmen es hin, wir sind ein freies Land, alle dürfen tun, was sie wollen. Und das ist gut so. Aber wir werden doch bitte wohl darüber lachen dürfen. Oder etwa nicht?

Brauner HahnAnderer Hahn anderes Unglück, nach dem roten Hahn wird diesem die Freiheit gebräunt zu werden empfohlen. Dieses Symbol für die Heider Lust, die Fruchtbarkeit des Gockels zu feiern, steht an einer Straßenkreuzung. Den Anblick ersparen wir dem neugierigen Betrachter, denn wir hatten ihn bereits in einem Beitrag zur Promulgatorik erwähnt. „Ja!“ entfuhr es darauf einem entrüsteten Kritiker unserer Worte, „ja!!! Ihr habt ja Recht, es ist zuweilen unerträglich. ABER! Müsst Ihr denn immer mit dem Finger auf andere zeigen? Du weißt doch: Wer mit dem Finger auf andere zeigt, zeigt mit drei Fingern auf sich selbst.“ Gerne!

SchwindsuchthahnDenn erst der Hahn rechts schießt den Vogel ab. Er erklärt die ganze steinige Geschichte seiner Art in dem Land, das von allein immer mehr wird das sich also von selbst vermehrt. Und diesen Gedanken bitten wir einzig und allein materialistisch zu interpretieren. Wir lesen diese Bildsprache bitte japanisch von oben nach unten: Der Hahn, das Fass, das gewesene Fass, ein Loch, die Steine. Der Rest wäre Schweigen, wenn das Werk nicht in Heide stünde und Jahrzehnte dort versucht wurde, das sich selbst vermehrende Dithmarscher Marschenland zu bebauen mit allerlei Gestein. Wir zeigen auch hier wieder das kongeniale Ambiente, in dem der magere Hahn seines Amtes waltet und den besiegten Thron bestiegen hat:

 Haus hinter dem Hahn

Wanderer kommst Du nach Heide, so verkündige dorten, Du habest schon Schlimmeres gesehen, aber Verstörung sei nicht das Wort, was Dich beschlichen habe, als Du das sahst.

 

 

 

Neusprech schreitet voran

Foto von SpreeTom / Wikipedia in CC-Lizenz
Foto von SpreeTom / Wikipedia in CC-Lizenz

An allerlei Neusprech haben wir uns ja gewöhnt, zum Beispiel an den Verlust der Müllkippe, die sich sprachlich in einen Entsorgungspark verwandelte. Auch pflegt unsere Führungselite permanent, sich selbst zu entschuldigen. Das mag noch auf die legendäre Karikatur von Roland Beier zurück gehen, auf der Karl Heinrich Marx dem Volk sagt: „Tut mir Leid Jungs! War halt nur so ’ne Idee von mir!“ Aber das sagen sie jetzt alle: „Tut mir Leid, war nicht so gemeint!“ Hartz IV? Tut mir Leid, Ihr könnt ja die abgelaufenen Dosen aus dem Supermarkt essen. Rente? Tut mir Leid, Ihr könnt doch von Euren Minijobs was zurück legen. Das alles ist freilich noch steigerungsfähig.

Dass die Politker mit dem Wähler schimpfen ist ja auch nicht ungewöhnlich. Meistens nach verlorener Wahl. Die gewinnen sie nachträglich mit ein bisschen Rhetorik dann doch noch. Zum Schmunzeln sind allerdings Parteifürstchen, die nach gewonnener Wahl mit dem Wähler schimpfen:
http://spd-meldorf.de/news.php?readmore=142 Was war geschehen? Eine Partei hatte ihren Strippenzieher auf Platz 1 der Liste abgesichert, was aber nicht sicher genug war. Nun musste ein direkt gewählter Kandidat zurücktreten. So einer ließ sich denn auch finden, allerdings hatte die Sache einen Schönheitsfehler. Dem unwillig Gewählten fiel der eigene Unwille nicht vor der Wahl ein, auch noch nicht am Tag der Wahl oder beim Kater am Tag danach. Nein, wie es sich für einen echten Demokraten gehört, fiel ihm das erst ein, als der Parteivorsitzende fragte, ob sich denn auch alle gut überlegt hatten, wofür sie da kandidiert hatten. Diese Sorte Parteispontaneität bewerteten manche Wähler als ‚undemokratisch‘. Und diese Wertung darf sich ein Genosse Vorsitzender einfach nicht gefallen lassen. Er verwahre sich gegen diese Wertung mancher. Die hätten ihn ja statt dessen mal anrufen können und sich bei ihm danach erkundigen können, was sie undemokratisch nennen dürfen und was nicht.

Aber das alles ist noch nicht richtig schlimm, denn hier karikiert sich das Parteivolk nur ein bisschen selbst. Das autoritär Obrigkeitliche bricht sich immer mehr Bahn. Emanzipatorisch gesonnene Behinderte sehen sich bekanntlich von der Gesellschaft behindert. Manche marktwirtschaftlichen Behindertenfunktionäre nehmen eine diametral gegenteilige Haltung ein. Sagte kürzlich die Geschäftsführerin einer Stiftung für Behindertenarbeit in einer öffentlichen Veranstaltung, es gäbe immer mehr Menschen, die sich im Laufe ihres Lebens verbehindern. Ich verbehindere mich, Du verbehinderst Dich, … Sagen wir es in der Sprache der Krüppelbewegung: Ich verkrüppele mich, Du verkrüppelst Dich, … Das ist Neusprech als Reinkultur: Die Verstümmelten haben sich selbst verstümmelt. Irgendwie ist das böse. Mir ist das zu böse, auch wenn’s nur ein Freud’scher Lapsus war. Tut mir echt Leid, Mädels, ich grusel mich vor diesem Neusprech.

Bedrohung durch Samenflug

Markus Hacker
Markus Hacker

Der Lust am Garten liegen unterschiedliche ästhetische Ansprüche zu Grunde. Die Einen zupfen den Rasen mit der Pinzette zurecht, die Anderen lieben ihr gehegtes Grün naturnah. Diese Nähe zur Natur ist den Pinzettengärtnern zutiefst zuwider, und da hilft auch kein Maschendrahtzaun.
Nun wird der Garten des Ordnungsaktivisten dem Ökoromantiker nur ein müdes Lächeln abverlangen, er kann tolerieren, dass andere sich ihren Rasen untertan machen. Andersherum fühlen sich die akkuraten Gartenfreunde vom Wildpflanzenbauern bedroht. Und wenn das Geätze über Totholzhaufen oder Wildobsthecken mit Walderdbeerdecke nicht fruchtet, dann muss der Samenflug herhalten, um die jungen Ökowilden zur preußischen Raison zu bringen. Insbesondere der Löwenzahn hat es dem Bürstenschnitter angetan: Denn das bloße Wort ‚Pfahlwurzel‘ treibt dem Wildkrautausrotter die Schweißperlen auf die Stirn.
Sehr schön wirkt da der Rat des Juristen auf 123recht.net . Hier kann leon6 exakt die Paragrafen nennen, nach denen der Ackerwinde und dem Samensegler des Löwenzahns Einhalt zu gebieten ist. Und er laviert heftigst zwischen ortsüblichem Samenflug, Wertverlust des beflogenen Grundstücks und erheblicher Beeinträchtigung des Wohnwerts herum. Schließlich kommt er zu dem Rat, viele Fotos zu knipsen und dabei reichlich vom kreativen Gestaltungsspielraum Gebrauch zu machen, um später den Richter zu überzuegen.
Nun ja, haben Sie auch von dem Nachbarschaftsstreit über quakende Frösche gehört? Die Nachbarn klagten gegen die Quak-Immissionen von Nachbarfrösche im Teich. Der Richter ließ sich wohl nicht von den kreativen Tonaufnahmen manipulieren. Er urteilte salomonisch und forderte die Kläger auf, sich selbst einen Froschteich anzulegen. Denn siehe das eigene Gequake stört weniger als nachbarliches. Wie mag denn nun der Gärtner mit den geraden Kanten seine Gegenwehr aussäen? Eine Sanddornhecke mit Rhizomsperre gegen das eigene gepflegte Grundstück?

Von Banken und Steyrwägen

Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?, zitieren manche Leute und fügen dann mit Ausrufungszeichen den Namen Brecht hinzu. Insbesondere das Ausrufungszeichen soll bedeuten: Schon Brecht fand Banken deutlich unanständiger als Tresorknacker. Olsenbande möchte man mit ebensolchem Ausrufungszeichen hinzufügen. Nun, das Zitat ist zweischneidig, denn Brecht legte den Satz einem gewissen Herrn MacHeath in den Mund, dem Mann mit dem Messer, der auch vor Morden nicht zurückschreckte. Und so lässt Herr Brecht den Meckie Messer weiter sagen: „Was ist die Ermordung eines Mannes gegen die Anstellung eines Mannes?“

Das der Meister nichts gegen die Wirtschaft einzuwenden hatte, legt auch ein Poem nahe, das der österreichischen Schwer-Industrie widmete. Als Lohn wünschte er sich einen Steyr XII, von eben jener Waffenfirma. Es geht so:

Steyr XII, Foto: Lars-Göran Lindgren Sweden
Foto: Lars-Göran Lindgren Sweden

Singende Steyrwägen

Wir stammen / Aus einer Waffenfabrik / Unser kleiner Bruder ist / Der Manlicher-stutzen. / Unsere Mutter aber / Eine steyrische Erzgrube
Wir haben: / Sechs Zylinder und dreißig Pferdekräfte./Wir wiegen:/Zweiundzwanzig Zentner./Unser Radstand beträgt:/Drei Meter./Jedes Hinterrad schwingt geteilt für sich: wir haben/Eine Schwenkachse./Wir liegen in der Kurve wie Klebestreifen./Unser Motor ist:/Ein denkendes Erz.
Mensch, fahre uns!
Wir fahren dich so ohne Erschütterung/Daß du glaubst, du liegst/In einem Wasser./Wir fahren dich so leicht hin/Daß du glaubst, du mußt uns/Mit deinem Daumen auf den Boden drücken und/So lautlos fahren wir dich/Daß du glaubst, du fährst/Deines Wagens Schatten.

Hilft uns dieses Meisterwerk der deutschsprachigen Werbekunst weiter in der Beurteilung des Dichters? Wir wissen, dass der Augsburger seine Dreigroschenoper sehr stark an The Beggar’s Opera von John Gay anlehnte. Aus welchen Sätzen Gays er seine Bankraub-Sentenz zog, mag die geneigte Leserin selbst nachprüfen, Google hat’s eingescannt. Das Gedicht mit der fränkisch-schwäbischen Pluralbildung hat er höchstwahrscheinlich selbst geprosät, denn so schlecht waren die Vorlagen seiner Freundinnen in der Regel wohl nicht. Er bekennt sich ganz offenkundig zu dem Auto, dem großen Bruder der kleinen Waffe namens Mannlicherstutzen.Denn es spricht das Auto im pluralis majestatis zu seinem Menschen, den es duzen tut. Drum findet’s Brecht wohl gut. Gleichwohl können wir nicht daraus ableiten, ob ihm das Töten eines Mannes (mit dem kleinen Bruder des Autos) besser schmeckt als denselben Mann als Angestellten zu halten, zum Beispiel als Chauffeur des Autos. Also irgendwie ist der Herr Brecht peinlich, mag mensch wirklich weiter drüber nachdenken?

Mannlicher Stutzen Foto: Wikipedia
Mannlicher Stutzen Foto: Wikipedia

Bauen und Wohnen einmal anders

Es ist ja so oft von den Bausünden der Moderne die Rede. Die gibt es, kein Zweifel. Brachial sei sie gewesen, und „dann diese Flachdächer“ wird mit drei Ausrufungszeichen gepostet. Die Postmoderne setzte dem dann brachiale Dächer mit Riesengauben wie Pickelhauben auf Sargdeckeln entgegen. Sozusagen das Rebirthing des Heimatstils. Und dann die Rückseiten, möchte man mit drei Ausrufungszeichen hinzufügen. Vor hundert Jahren gab’s dort Gärten. Heute spielt dort der Parkplatz eine hervorgehobene Bedeutung. Werbliche Interessen beim Bau – korporierte Identitäten machen das Maß alles Unerträglichen voll. All das vergrauselt die Stadtbilder. Punkt.

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