Herr U. als Judenversteher

Der Ungläubige saß betreten am Flussufer, als der Rabbi salbungsvoll auf ihn zutrat.
„Komm mir nicht so christlich!“, raunzte der Ungläubige ihn an.
„Das würde ich nie tun!“ schmunzelte der Rabbi. „Aber Dein Blick …, aber“,
das Schmunzeln des Rabbis verwandelte sich in Misstrauen., „seit wann vertraust Du Deiner Subjektivität mehr als Deinem Verstand?“
„Ein studierter Zeitgeist sagte, ich sei wohl ein Judenversteher.“
„Ah, ich verstehe“, gab der Rabbi zurück, „Dein Glaubensvolk wurde nicht vernichtet und Dir wurde die Schuld dafür angelastet.“

Herr U. erklärt sich

Der Rabbi freute sich auf den Besuch des Herrn U. Er wollte ihn fragen, wieso dieser als Ungläubiger einen Rabbi aufsuchte. Die Antwort enttäuschte ihn. Herr U. sagte: Solange Gottesprediger keine Macht über Menschen ausüben könnten, seien sie ganz erträglich.

Subjektive Wahrheit

Spring

Herr U.  warf dem Rabbi vor, er sei der Illusion verfallen, es gebe etwas objektiv Wahres. „Das empfinde ich nicht so. Wie kommst Du darauf?“, gab der Rabbi zurück. Nun erhärtete der Freund seine These, der Rabbi wage Vorhersagen so, als sei er gewiss, sie würden auch eintreten. Der Rabbi schmunzelte. „Ich sah einmal einen Schwimmer auf einer Klippe. Er wollte hinunterspringen. Ich empfahl ihm auf das Hochwasser zu warten, sonst könne er seine Gesundheit ruinieren. Der Schwimmer sagte zu mir, er sehe das anders, und starb.“

Lechts und rinks leichen sich die Hand

Die Eroberung der Deutungshoheit in einer Gesellschaft wird von Linken und Rechten unterschiedlich betrieben. Die politische Rechte hält die Familie, also das private Leben, als Ursprung des Gesellschaftlichen. Verkürzt könnten wir sagen, sie hält das Private für die Urkraft des Politischen. Die Armen haben danach einen Reichtum an Kindern, die sie für sich arbeiten lassen können. Die reichen Familien können die armen Kinder bezahlen und sind damit die natürlichen Führungseliten für alle. Die Linke stellt dann fest: Die Verhältnisse sind ungerecht zwischen den Privaten verteilt. Die Reichen beherrschen die Armen und die Armen kommen nicht aus ihrer Armut heraus. Aus dieser Beobachtung leitet die Linke ab: Die Armen müssen sich zusammentun und sich gemeinsam gegen die Reichen auflehnen. Die Reichen sollen ihnen mehr abgeben.

Seit jeher versuchten die Reichen, die Wut der Armen abzulenken auf ausgesuchte Personengruppen. Man nennt die Technik, mit der sie das machen, Propaganda. Zunächst richtete sich Propaganda gegen reiche Juden. Das ist die Basistechnologie der Propaganda: Einen gesellschaftlichen Popanz, der für das Ganze steht. Diejenigen, die privat genug haben, entledigen sich dadurch einer Konkurrenz, denn die klugen und die reichen Juden können es sich leisten auszuwandern. Die übrigen wollte man in Deutschland mit industriellen Techniken auslöschen. Diese Politik erledigen für die Reichen die rechten politischen Gruppen, die deswegen von den Reichen Spenden bekommen.

Heute betrachten die Reichen die These, dass die Armen nicht aus ihrer Armut heraus kommen können, als widerlegt. Sie nennen Beispiele, in denen auch Arme reich werden. Ihre Antwort lautet heute: Ihr müsst Euch nur richtig selbständig machen, dann werdet Ihr auch so reich wie die anderen. Die richtige Selbständigkeit ist das Kleinunternehmertum. Jetzt haben wir ein überwiegend verarmtes Kleinunternehmertum. Wenn Du arm bleibst, dann hast Du etwas falsch gemacht. Sogar viele Drogensüchtige oder Linksradikale können in das reiche Lager wechseln. Sie müssen nur als Programmierer für die Reichen arbeiten. Auch die Linken haben ihre Führungseliten herausgearbeitet. Die lassen sich leicht einkaufen und umprogrammieren. Wer sich nicht umprogrammieren lässt, ist selber schuld und wird in die Armut zurück geschickt.

Die Strategie, dass sich die Reichen ein paar Linke eingekauft haben, war sehr erfolgreich. In den 80er Jahren versuchte sich ein sozialdemokratischer Stratege. Er sah in der Gesellschaft viele verschiedene Interessengruppen, die sich auf den Schollen der Gesellschaft tummeln. Die Linke müsse diese Gruppen auf ihren Schollen abholen. Dies führte dazu, dass sich Schollenkapitäne von der Neuen Sozialen Marktwirtschaft abfangen ließen und fortan populistische Parolen entwickelten. Innerhalb der linken unter den linken Schollen wurden diese Personen zu Hassfiguren. Seitdem begab sich eine sozialdemokratische Strategin auf die Spur, den Markenkern der Sozialdemokratie wieder zu finden. Die Linke versucht jetzt ein eigenes Schollenjagdprofil zu finden und fischt alles ein, was bei Grünen und Sozialdemokratie auf der Strecke blieb: von Pazifisten bis Windenergiegegner.

Die reichen ProgrammiererInnen dürfen trotz überdurchschnittlichen Wohlstands Linke bleiben, denn auch bei der Linken hat die These, das Private sei das eigentlich Politische, viele AnhängerInnen gewonnen. Das ist sehr hübsch, denn so können sie sich darum streiten, ob sie Fleisch essen dürfen, Hausfrauenpanzer fahren dürfen oder mit dem Flugzeug verreisen dürfen. Darüber wacht dann die Wohngemeinschaft. Diejenigen Linken, die trotzdem noch glauben, dass man die Menschen auch mit ihrer Wohnung erschlagen könne, gründen Wohn-, Arbeits- oder Selbsthilfeprojekte. Dazu betreiben sie dann solidarische Kleinunternehmen. Die besserdoppelverdienenden Ohne-SUV-Linken können das dann verhement kritisieren, indem sie sagen, dass die AlternativlerInnen ja damit nur das System stabilisieren. Das tut freilich ein verbeamteter Lehrer nicht, denn der lässt sich vom Staat bezahlen, statt sich der Anarchie des Marktes hinzugeben.

Die Rechte hat also die Deutungshoheit über den allgemeinen gesellschaftlichen Trend übernommen. Sie ist den Geldanarchisten so weit entgegen gekommen, dass das Horten von Geld allgemein mit einem Negativzins bestraft wird. Alle Geldbesitzende werden gezwungen, sich ein Betätigungsfeld auszusuchen. Die können die Linken, die sich in die innere Emigration zurück gezogen haben, nicht nutzen. Denn sie wollen ja den Staat zurück, um die Verhältnisse in der Gesellschaft zu beherrschen statt sie zu verändern. Schade eigentlich!

Kommunalpolitische Lage in Dithmarschen

veröffentlicht in Gegenwind Nr. 358, Juli 2018, Seite 35:

Reinhard Pohls Kommentar zur Kommunalwahl im letzten Heft lässt sich vielleicht in einem Satz grob zusammenfassen: „Gegen die Union ist in Dithmarschen wohl nichts zu machen.“

Da wäre dann die Frage, wer überhaupt etwas und mit welchen Mitteln macht. Bündnis90/Die Grünen arbeitet weiter fleißig am Abbau der Altmitglieder. Mehrmals haben einzelne Grüne zum Beispiel in Meldorf oder im Eiderland versucht, lokale Initiativen zu starten. Die lokalen Barden haben es aber immer wieder verstanden, dies zu unterbinden. So gibt es eine Führungsklique und der von außen zugewanderte Mitgliederanstieg wird erfolgreich bekämpft. Die Mitgliedschaft wird mit Ministergedöns bei Deichplaudereien in Strandkörben benebelt. So glänzte Herr Habeck mit der Weisheit, der Hamburger Hafenschlick würde in der Nordsee dort liegen bleiben, wo die Hamburger ihn verklappen.

Im Gegenzug sind seit Jahrzehnten freie Wählerinitiativen in Dithmarschen erfolgreich, die sich gegen die großen Volksparteien wehren. Sie haben es satt, in die bundes- oder landespolitischen Bissigkeiten der Kanzlerparteien reingezogen zu werden. Solche Initiativen sind immer wieder erfolgreich, wie zuletzt die Windenergie-Initiativen. Man mag zur Windenergie eine andere Meinung haben wie deren Vertreter, aber sie tragen Fakten vor, sie versuchen es nicht wie der neue braune Sumpf mit Faktenverdrehungen und Diffamierungen. Deshalb versuchen die Kanzlerparteien auf solche Initiativen zuzugehen. Das macht das Leben in dieser Region sehr angenehm: Wer mit sachlich vorgetragenen Ideen an die Lokalpolitik herantritt, hat gute Chancen Gehör zu finden. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das trifft auch auf die vorher kritisierten Grünen zu.

Die Linke versucht sich nun an diese Wind-Gruppe anzuhängen. Mal schauen, ob die Linke es auch versteht, von selber außerparlamentarische Initiative zu ergreifen. Ihre Staatsfixiertheit wirkt manchmal recht drollig. Sie fordert den Mietwohnungsbau zu unterstützen- eigene Initiative? Fehlanzeige! Es gibt in Dithmarschen ein Projekt des autonomen Mietshäusersyndikats. Das Verständnis dafür hat sich noch nicht bis zur Linken in Heide herumgesprochen. Es ist wohl nicht staatsfixiert genug, sich selbst zu helfen. Wenigstens den strategischen Leerstand vor Ort könnte eine solche Partei thematisieren. Fehlanzeige! Im Wahlkampf Zettelchen verteilen und die Weltrevolution herbeiwählen lassen, das ist die Strategie. Da wird Die Linke wohl bald Bahnsteigkarten verkaufen müssen.

Die Bundeswehr wäre in Dithmarschen ein Thema für eine pazifistische Partei. Ein riesieger Teil des Naturschutzgebietes wird von der Bundswehr besetzt, der Wehrtechnischen Dienststelle 71. Es werden Munition und Sprengstoffe im Weltnaturerbe erprobt. Grüne wie auch die Ökoverbände eiern herum, wenn ich sie nach ihrer Einschätzung frage. Na klar, denn die Bundeswehr zahlt für den Küstenschutz, erkauft sich also grüne Zustimmung mit ihrem wehrtechnischen Einsatz zum Schutz der Bodenbrüter. Den Dithmarscher Linken sind die Wehmachtsdrohnen im Nachbarkreis als Thema wichtiger als die Sprengstofftests vor Ort. Und, so hörte ich empörte Linke, die Tiefflieger würde ja sogar über der Kreisstadt Heide kreisen. Wir dürfen vermutlich darauf warten, bis die Linke diese Kreisstadt zum Weltnaturerbe erklärt, schließlich trägt sie den Namen eines kargen Landschaftstyps.

Somit haben nur bürgerliche Themen-Initiativen wie die Windkraftgegner ein außerparlamentarisches Spielbein, die Kleinparteien sind keine Alternative. Die großen Parteien sorgen für eine offene uns gesprächsbereite Verwaltung und bieten die landesweit effektivste Bauverwaltung. Das kommt an bei den Leuten, nüchternes Kalkül hat Vorfahrt.

  1. Meldorf für Einsteiger
  2. Echt klein Meldorf
  3. Ist Schier. Jetzt ist er hier.
  4. Boyens Zeitung lesen in Meldorf
  5. Das weiß hier* jeder – in Meldorf
  6. Die Kirche im Dorf
  7. Boyens Zeitung lesen in Meldorf
  8. Moin ist mehr

Moin ist mehr

Neben der Grußformel, die wir bereits erklärt haben, hat der Gruß eine beosndere Bedeutung, nämlich dann wenn Du von einigen Leuten gar keine Begrüßung erwartest. Dann bedeutet ‚Moin!‘ sehr viel mehr als nur ein ‚Moin!‘ Nehmen wir an, Du wartest als Fußgänger an einer roten Ampel. Kein Auto bedroht die Fußgänger und ein eiliger Autofahrer, der gerade sein Fahrzeug neben der Ampel abgestellt hat, quert die Straße bei rot. Er schaut Dich fröhlich an und schleudert Dir ein noch fröhlicheres „Moin!“ entgegen. Dieses Verhalten wird seit frühester Kindheit erlernt. Es bedeutet im Falle der roten Ampel: „Sehr geehrter zorniger alter Mann, ich weiß ganz genau, dass man nicht bei Rot über die Straße gehen soll, aber ich tue es jetzt trotzdem und jetzt lasse Dir bitte nicht einfallen, gegen mein Verhalten putative Sanktionen zu verhängen.!“ Da Ihr Euch nur auf einen einzigen Blick im Leben getroffen habt und nicht wieder begegnen werdet, legt er die gesamte Ansprache in das Wort „Moin!“ Großgeschrieben mit Ausrufungszeichen und mit Töddelchen links und rechts, keine Widerrede! „Moin!“

Als Kind war das so: Du stehst bei Dämmerung im Schatten eines Baumes und denkst mit deinen Kumpels laut nach, wie ihr einen Streich spielen könntet. Plötzlich gehen zwei Erwachsene an euch vorbei, die ihr zuvor nicht bemerkt hattet. Der Führer eurer Clique strahlt die Fußgänger an und verbeitet mit einem Grinsen zwischen den beiden Ohren: „Moin!“ Es ist eine Beschwörung, die bedeutet: „Eih, Alter, was auch immer Du gerade gehört hast, unterlasse jetzt bitte jede Verschwörungstheorie, daran zu glauben hat uns der Lehrer streng verboten und auch ihr werdet jetzt nicht dran glauben. Habt ihr das verstanden?“ Die Erwachsenen müssen dann antworten: „Moin!“ und dabei versonnen an gut erzogene Jugendliche auf der Insel aller Glückseligen namens Dithmarschen denken, die allen Erwachsenen ein strahlend freundliches „Moin!“ bieten.

Und wenn dich jetzt jemand auf der Straße grüßt und freudig „Moin!“ ruft, dann denke bitte nicht an eine Verschwörungstheorie und denke einfach nur Moin! Was die anderen über Dich denken, wirst Du sowieso nie erfahren.
 

  1. Meldorf für Einsteiger
  2. Echt klein Meldorf
  3. Ist Schier. Jetzt ist er hier.
  4. Boyens Zeitung lesen in Meldorf
  5. Das weiß hier* jeder – in Meldorf
  6. Die Kirche im Dorf
  7. Boyens Zeitung lesen in Meldorf
  8. Moin ist mehr

 

Militärland

Karte des Militärlandes Schleswig-Holstein, wer machts, wer profitiert …

Quellen:
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/bundeswehrsh101.html
https://www.stfg.de/fileadmin/user_upload/PDFs/Publikationen_Wehrtechnik/Wehrtechnik_in_SH_-_Bericht_des_Arbeitskreises_2017.pdf
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bundeswehrstandorte_in_Deutschland

Informationen zu „Saatgut ist Kulturgut“

Vortrag Saatgut-ist-Kulturgut als pdf

Organisationen für Erhaltungssaatgut

https://www.arche-noah.at/

http://nutzpflanzenvielfalt.de/

https://www.kultursaat.org/

http://www.bohnen-atlas.de/

Kaufadressen für Erhaltungssaatgut

https://www.dreschflegel-shop.de/

https://www.bingenheimersaatgut.de/

https://chilifee.de/

http://www.lilatomate.de/tomatologie/ (mit Anbauanleitung für Tomaten)

https://www.tomatenretter.de/

Adressen zu Patentierung und Sortenschutz

http://no-patents-on-seeds.org/de

http://www.kein-patent-auf-leben.de/

Kritische Szene

https://www.keine-gentechnik.de

http://www.saatgutkampagne.org/

https://www.weltagrarbericht.de/

https://viacampesina.org/en/

https://nyeleni.org/   http://nyeleni.de/

http://www.abl-ev.de/start/

Satire darf alles PARTEI machen

Dieser Tage erzählen mir alle guten Menschen, Politik sei ganz einfach: Du machst zwei Kreuze und dann ist die Demokratie sicher. In Wirklichkeit ist das aber alles viel schwerer. Denn die guten Menschen brauchen dafür Parteien. Das liegt daran: Seit Marx und Bismarck haben wir Parteien und deshalb geht es nicht ohne. In der Demokratie darf man nämlich nicht so viel verändern. Es sei denn, es nützt den Parteien, und zwar denen, die wir schon haben. Damit es nicht so viele neue Parteien gibt, haben wir eine Hürde. Das ist ganz wichtig in der Demokratie, denn sonst können die Parteien nicht in den Hinterzimmern alles in Ruhe besprechen.

Eine neue Partei braucht mindestens eine Million Kreuze. Auch wenn nur ein Drittel der Leute Kreuze machen, brauchen jede Partei eine Million davon. Wahrscheinlich braucht eine neue Partei sogar drei Millionen Kreuze, weil mehr als ein Drittel der Leute zwei Kreuze machen. Deshalb sagen die wirkliche guten Menschen: Du musst zwei Kreuze machen, aber nur dort wo drei Millionen andere Menschen sie auch machen. Für mehr Demokratie sind wir Deutschen einfach nicht reif genug.

Parteien müssen Rabatz machen

Die hohe Hürde überwinden die Neuen nur, wenn sie viel Rabatz machen. Wie das genau geht, wissen PR-Leute. Solche PR-Leute kosten viel Geld. Das viele Geld haben aber nur die Parteien, deren Schlafmützen wir schon seit Jahren kennen. Mit wenig Geld muss man sagen, was die Nazis vor Jahrzehnten schon gesagt haben: Wer sich am wenigsten wehren kann, ist an allem Schuld. Deshalb sagt in diesem Jahr  jeder fünfte Wähler: Ich wähle Nazis, ich bin aber gar keiner, außerdem haben sich die Braunen blau gestrichen.

stimmzettel
Die guten Menschen machen hier ihre Kreuze und retten so die Demokratie. Parteien sind wichtiger als Menschen, deswegen sind sie fett gedruckt. Damit es so bleibt, haben diese Parteien mehr Rechte als alle anderen. Sie sind also wie eitle Männer. (foto:freistern)

Deshalb müssen wir alle die Kreuze an den richtigen Stellen machen, einige Reihen sind gegen die Demokratie. Einige Menschen sagen sich jetzt: Egal, Amerika wird den komischen exildeutschen Millionär überleben, Ungarn überlebt gerade eine Naziregierung, in Polen ist es auch doof und Russland hat einen notorischen Säufer überlebt, wir werden auch das komische blaue Kätzchen Weidel, das in Deutschland nicht mal Steuern zahlt, und ihren Gauleiter überleben. Vermutlich werden wir das auch. Trotzdem wollen wir keine blauen Kreuze. Deshalb müssen wir auf die blau markierte Seite besonders vorsichtig kreuzen.

Staatsknete für Satire

Jetzt bekommen die Parteien ja auch noch Geld vom Staat. Staatsgeld für Parteien ist nach oben gedeckelt. Der Deckel greift praktisch nur bei neuen Parteien, die alten sind im Vorteil. So geht Demokratie: Wer am Fleischtopf sitzt, lässt keine anderen ran. Der Deckel funktioniert so: Ab 0,5 % der Stimmen gibt 0,83 oder 1 €. Ist die Wahlbeteiligung nur 1/3, dann würden 100.000 Stimmen reichen, um 100.000 € Parteienfinanzierung zu bekommen. Die gibt es aber nur, wenn die Partei auch eigene Einnahmen von 100.000 € hat, zum Beispiel Beiträge und Spenden. Wer Spenden gibt und Steuern zahlt, bekommt über 800 Tacken vom Staat zurück. Wer zu wenig verdient, muss es selbst bezahlen. Darum fließt das Wirtschaftswachstum ausschließlich in die Taschen der Fettverdiener. Denn Hartz IV’er können nicht mitspenden.

Nur echte Satiriker sagen sich: Egal, wenn das die einzige Chance ist, an Staatsknete zu kommen, dann eben Die PARTEI, die immer Recht hat. Nutzen  wir das korrupte System der Selbstbedienung. Das wollen die Selbstbediener-Parteien freilich auch nicht. Deshalb sollen wir auch Die Satirepartei DIE Partei nicht wählen, sagen die guten Menschen. Nach der Wahl dürfen sich dann alle, die die Demokratie gerettet haben und die richtigen Kreuze gemacht haben, wundern. Denn am 25. September wird eine Generalamnesie einsetzen. Das ist die Einigkeit aller Demokraten: Alles was sie vorher gesagt haben, ist das Geschwätz von gestern. Dann treten die eigentlichen Retter der Demokratie auf den Plan: die Lobbyisten. Das ist eine Unterabteilung der PR-Leute. Die kosten viel Geld.

So wählst du die Partei: In der rechten Spalte steht’s dort das kreuz machen. Das reicht!

Und das geht so: Die Parteien der Selbstversorgung handeln stets nach dem Opportunitätsprinzip. Darum nennen wir sie Systemparteien. Wenn Du Dein Interesse als Lobbyist dann gegenüber allen Systemparteien konsequent vertrittst, bekommst Du außer Frieden alles, was Du möchtest. Grenze dabei kein System aus. Irgendwo wirst Du einen Selbstbediener finden, der Deine Sache vertritt. Lobbyisten arbeiten nicht mit Bestechung, sondern nur mit Überzeugung. Sie engagieren Berater*innen und Berater aus den Parteien, das ist keine Bestechung. Aus Dankbarkeit geben sie der Politik wissenschaftliche Gutachten, die sie bezahlt haben. Das Ergebnis nennen wir dann nach den Berater*innen Riesterrente. Auf diese Weise werden wir in Zukunft mit Schrödergas, Dobrintmaut und anderen Merkelwürdigkeiten besorgt. Das Einzige, was Du dagegen tun kannst, ist es als Troll Satire zu machen. Deshalb ist der einzig richtige Weg. Die PARTEI kann dann den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages beauftragen und Licht ins Dunkel der Demokratie bringen.

 

 

Die Kirche im Dorf

Die Kirche im Dorf heißt nicht Dom, sondern St. Johanniskirche, jedenfalls wenn Du sie im Internet suchst. Anderswo, und dies besonders im Dorf, ist sie männlich und heißt ‚der Dom‘. Deswegen ist sie ist ein ganz besonderes Thema. Der Hauptredner heißt Probst und will immer weiterreden, selbst wenn er schon pensioniert ist. Der Volksmund nennt ihn dennoch bei seinem Vornamen ‚Probst‘, auch wenn schon längst ein anderer so getauft wurde. Deswegen sitzt er allerlei Kulturvereinen vor und bewahrt dort die Kulturhoheit der Kirche. Dome sind nicht zwangsläufig Bischofskirchen, in Meldorf eben reicht ein Probst.

Für manche ist die Kirche der Inbegriff der Kultur schlechthin. Sie lassen für den Begriff der Kultur außer der Kirche nur die von Preußen geschaffenen Einrichtungen wie das Landesmuseum zu. Das Landesmuseum ist inzwischen kein Landesmuseum mehr, sondern ein Kreismuseum. Und statt voraus zu schauen und zu bemerken, dass der Kreis für einen Kreis viel zu klein ist, schauen wir lieber darauf zurück, dass wir einmal ein Land waren. Und selbst wenn wir eines Tages nur noch ein Heimatmuseum sein werden , wir der Titel Landesmuseum bleiben. Denn was uns Holsteinern Preußen gab, darf niemals rosten. Schließlich haben ja so viele ihr Gold dafür gegeben. Auch innerhalb des Doms gibt es sehr schöne Konzerte für Nichtchristen, allerdings muss der oben erwähnte dann immer vorher sagen, dass es die ganze Musik keinesfalls ohne seinen Gott gäbe. Dennoch sei das Haus für alle offen.

Bevor die Kirche die Mär vom christlich-jüdischen Abendland erkor, liefen auch allerlei Pastoren in der Tradition des Judenhassers Martin Luther herum. An den Nachwehen trugen wir noch bis ins 21. Jahrhundert hinein, so lange konnte sich die örtliche Front der Gläubigen nicht einmal vom Schriftsteller Gustav Frenssen trennen. Die Auseinanderssetzung mit ’seinen kolonialistischen, rassistischen und antisemitischen Wertvorstellungen‘ (Wikipedia) sei sehr differenziert gewesen, meinen selbst kritische Betrachter der Szene, aber eben nicht distanziert. Ein Schelm der sich dabei nicht genierte. Sein etwas entstelltes Wohnhaus steht immer mal wieder zum Verkauf.

Die erste Parallelkultur, die neben der Kirche Raum griff, war die Arbeiterbewegung. Es dauerte lange, bis sie einen Kindergarten betreiben durfte, der konfessionsfrei ist. Der Kulturkampf scheint vorerst gewonnen. Diakonie und Arbeiterbewegung haben eine Art friedliche Koexistenz gegründet und wehren nun um Steuerpfründe konkurrierende Parallelkulturen gemeinsam ab. Gemein ist beiden Stützen der Gesellschaft die Abneigung gegen das Kommerzielle, denn siehe, oh gläubige Gemeinde: Das Abzwacken eines Zehnten vom kommerziellen Einkommen ist alles andere als ein kommerzielles Interesse. Was immer es sei, es ist nicht kommerziell. Auch dürfen wir es den Besitzstand an staatlich garantiertem Einkommen nicht als Pfründe bezeichnen. Schweigen wir über ein anderes Thema …

  1. Meldorf für Einsteiger
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