Lechts und rinks leichen sich die Hand

Die Eroberung der Deutungshoheit in einer Gesellschaft wird von Linken und Rechten unterschiedlich betrieben. Die politische Rechte hält die Familie, also das private Leben, als Ursprung des Gesellschaftlichen. Verkürzt könnten wir sagen, sie hält das Private für die Urkraft des Politischen. Die Armen haben danach einen Reichtum an Kindern, die sie für sich arbeiten lassen können. Die reichen Familien können die armen Kinder bezahlen und sind damit die natürlichen Führungseliten für alle. Die Linke stellt dann fest: Die Verhältnisse sind ungerecht zwischen den Privaten verteilt. Die Reichen beherrschen die Armen und die Armen kommen nicht aus ihrer Armut heraus. Aus dieser Beobachtung leitet die Linke ab: Die Armen müssen sich zusammentun und sich gemeinsam gegen die Reichen auflehnen. Die Reichen sollen ihnen mehr abgeben.

Seit jeher versuchten die Reichen, die Wut der Armen abzulenken auf ausgesuchte Personengruppen. Man nennt die Technik, mit der sie das machen, Propaganda. Zunächst richtete sich Propaganda gegen reiche Juden. Das ist die Basistechnologie der Propaganda: Einen gesellschaftlichen Popanz, der für das Ganze steht. Diejenigen, die privat genug haben, entledigen sich dadurch einer Konkurrenz, denn die klugen und die reichen Juden können es sich leisten auszuwandern. Die übrigen wollte man in Deutschland mit industriellen Techniken auslöschen. Diese Politik erledigen für die Reichen die rechten politischen Gruppen, die deswegen von den Reichen Spenden bekommen.

Heute betrachten die Reichen die These, dass die Armen nicht aus ihrer Armut heraus kommen können, als widerlegt. Sie nennen Beispiele, in denen auch Arme reich werden. Ihre Antwort lautet heute: Ihr müsst Euch nur richtig selbständig machen, dann werdet Ihr auch so reich wie die anderen. Die richtige Selbständigkeit ist das Kleinunternehmertum. Jetzt haben wir ein überwiegend verarmtes Kleinunternehmertum. Wenn Du arm bleibst, dann hast Du etwas falsch gemacht. Sogar viele Drogensüchtige oder Linksradikale können in das reiche Lager wechseln. Sie müssen nur als Programmierer für die Reichen arbeiten. Auch die Linken haben ihre Führungseliten herausgearbeitet. Die lassen sich leicht einkaufen und umprogrammieren. Wer sich nicht umprogrammieren lässt, ist selber schuld und wird in die Armut zurück geschickt.

Die Strategie, dass sich die Reichen ein paar Linke eingekauft haben, war sehr erfolgreich. In den 80er Jahren versuchte sich ein sozialdemokratischer Stratege. Er sah in der Gesellschaft viele verschiedene Interessengruppen, die sich auf den Schollen der Gesellschaft tummeln. Die Linke müsse diese Gruppen auf ihren Schollen abholen. Dies führte dazu, dass sich Schollenkapitäne von der Neuen Sozialen Marktwirtschaft abfangen ließen und fortan populistische Parolen entwickelten. Innerhalb der linken unter den linken Schollen wurden diese Personen zu Hassfiguren. Seitdem begab sich eine sozialdemokratische Strategin auf die Spur, den Markenkern der Sozialdemokratie wieder zu finden. Die Linke versucht jetzt ein eigenes Schollenjagdprofil zu finden und fischt alles ein, was bei Grünen und Sozialdemokratie auf der Strecke blieb: von Pazifisten bis Windenergiegegner.

Die reichen ProgrammiererInnen dürfen trotz überdurchschnittlichen Wohlstands Linke bleiben, denn auch bei der Linken hat die These, das Private sei das eigentlich Politische, viele AnhängerInnen gewonnen. Das ist sehr hübsch, denn so können sie sich darum streiten, ob sie Fleisch essen dürfen, Hausfrauenpanzer fahren dürfen oder mit dem Flugzeug verreisen dürfen. Darüber wacht dann die Wohngemeinschaft. Diejenigen Linken, die trotzdem noch glauben, dass man die Menschen auch mit ihrer Wohnung erschlagen könne, gründen Wohn-, Arbeits- oder Selbsthilfeprojekte. Dazu betreiben sie dann solidarische Kleinunternehmen. Die besserdoppelverdienenden Ohne-SUV-Linken können das dann verhement kritisieren, indem sie sagen, dass die AlternativlerInnen ja damit nur das System stabilisieren. Das tut freilich ein verbeamteter Lehrer nicht, denn der lässt sich vom Staat bezahlen, statt sich der Anarchie des Marktes hinzugeben.

Die Rechte hat also die Deutungshoheit über den allgemeinen gesellschaftlichen Trend übernommen. Sie ist den Geldanarchisten so weit entgegen gekommen, dass das Horten von Geld allgemein mit einem Negativzins bestraft wird. Alle Geldbesitzende werden gezwungen, sich ein Betätigungsfeld auszusuchen. Die können die Linken, die sich in die innere Emigration zurück gezogen haben, nicht nutzen. Denn sie wollen ja den Staat zurück, um die Verhältnisse in der Gesellschaft zu beherrschen statt sie zu verändern. Schade eigentlich!

Christian

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