Kommunalpolitische Lage in Dithmarschen

veröffentlicht in Gegenwind Nr. 358, Juli 2018, Seite 35:

Reinhard Pohls Kommentar zur Kommunalwahl im letzten Heft lässt sich vielleicht in einem Satz grob zusammenfassen: „Gegen die Union ist in Dithmarschen wohl nichts zu machen.“

Da wäre dann die Frage, wer überhaupt etwas und mit welchen Mitteln macht. Bündnis90/Die Grünen arbeitet weiter fleißig am Abbau der Altmitglieder. Mehrmals haben einzelne Grüne zum Beispiel in Meldorf oder im Eiderland versucht, lokale Initiativen zu starten. Die lokalen Barden haben es aber immer wieder verstanden, dies zu unterbinden. So gibt es eine Führungsklique und der von außen zugewanderte Mitgliederanstieg wird erfolgreich bekämpft. Die Mitgliedschaft wird mit Ministergedöns bei Deichplaudereien in Strandkörben benebelt. So glänzte Herr Habeck mit der Weisheit, der Hamburger Hafenschlick würde in der Nordsee dort liegen bleiben, wo die Hamburger ihn verklappen.

Im Gegenzug sind seit Jahrzehnten freie Wählerinitiativen in Dithmarschen erfolgreich, die sich gegen die großen Volksparteien wehren. Sie haben es satt, in die bundes- oder landespolitischen Bissigkeiten der Kanzlerparteien reingezogen zu werden. Solche Initiativen sind immer wieder erfolgreich, wie zuletzt die Windenergie-Initiativen. Man mag zur Windenergie eine andere Meinung haben wie deren Vertreter, aber sie tragen Fakten vor, sie versuchen es nicht wie der neue braune Sumpf mit Faktenverdrehungen und Diffamierungen. Deshalb versuchen die Kanzlerparteien auf solche Initiativen zuzugehen. Das macht das Leben in dieser Region sehr angenehm: Wer mit sachlich vorgetragenen Ideen an die Lokalpolitik herantritt, hat gute Chancen Gehör zu finden. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das trifft auch auf die vorher kritisierten Grünen zu.

Die Linke versucht sich nun an diese Wind-Gruppe anzuhängen. Mal schauen, ob die Linke es auch versteht, von selber außerparlamentarische Initiative zu ergreifen. Ihre Staatsfixiertheit wirkt manchmal recht drollig. Sie fordert den Mietwohnungsbau zu unterstützen- eigene Initiative? Fehlanzeige! Es gibt in Dithmarschen ein Projekt des autonomen Mietshäusersyndikats. Das Verständnis dafür hat sich noch nicht bis zur Linken in Heide herumgesprochen. Es ist wohl nicht staatsfixiert genug, sich selbst zu helfen. Wenigstens den strategischen Leerstand vor Ort könnte eine solche Partei thematisieren. Fehlanzeige! Im Wahlkampf Zettelchen verteilen und die Weltrevolution herbeiwählen lassen, das ist die Strategie. Da wird Die Linke wohl bald Bahnsteigkarten verkaufen müssen.

Die Bundeswehr wäre in Dithmarschen ein Thema für eine pazifistische Partei. Ein riesieger Teil des Naturschutzgebietes wird von der Bundswehr besetzt, der Wehrtechnischen Dienststelle 71. Es werden Munition und Sprengstoffe im Weltnaturerbe erprobt. Grüne wie auch die Ökoverbände eiern herum, wenn ich sie nach ihrer Einschätzung frage. Na klar, denn die Bundeswehr zahlt für den Küstenschutz, erkauft sich also grüne Zustimmung mit ihrem wehrtechnischen Einsatz zum Schutz der Bodenbrüter. Den Dithmarscher Linken sind die Wehmachtsdrohnen im Nachbarkreis als Thema wichtiger als die Sprengstofftests vor Ort. Und, so hörte ich empörte Linke, die Tiefflieger würde ja sogar über der Kreisstadt Heide kreisen. Wir dürfen vermutlich darauf warten, bis die Linke diese Kreisstadt zum Weltnaturerbe erklärt, schließlich trägt sie den Namen eines kargen Landschaftstyps.

Somit haben nur bürgerliche Themen-Initiativen wie die Windkraftgegner ein außerparlamentarisches Spielbein, die Kleinparteien sind keine Alternative. Die großen Parteien sorgen für eine offene uns gesprächsbereite Verwaltung und bieten die landesweit effektivste Bauverwaltung. Das kommt an bei den Leuten, nüchternes Kalkül hat Vorfahrt.

  1. Meldorf für Einsteiger
  2. Echt klein Meldorf
  3. Ist Schier. Jetzt ist er hier.
  4. Boyens Zeitung lesen in Meldorf
  5. Das weiß hier* jeder – in Meldorf
  6. Die Kirche im Dorf
  7. Boyens Zeitung lesen in Meldorf
  8. Moin ist mehr

Christian

2 Gedanken zu “Kommunalpolitische Lage in Dithmarschen

  1. Moin,
    der Kreisverband Dithmarschen der Grünen hat zurzeit 67 Mitglieder, davon allein 9 Eintritte im Jahr 2018 und nur einen Austritt (Alter unter 30 Jahre). Zusätzlich ist ein Mitglied nach Dithmarschen „zugewandert“. Es gibt zwei Ortsverbände (Meldorf und Brunsbüttel). Die Gründung eines Ortsverbandes in Heide ist geplant. Woher hat denn der Autor seine Eingebungen? Ganz schlecht bzw. überhaupt nicht recherchiert. 6 setzen!

    Die Grünen in Dithmarschen haben im Kreistag mit dafür gesorgt, dass zwei wichtige Landschaftsschutzgebiete (Hohe Geest und Rüsdorfer Moor) frei von Windkraftanlagen (WKA) bleiben sollen. Es ist noch einiges zu tun, damit hier keine WKAs gebaut werden dürfen. Die Pseudo-Windenergiegegner in Dithmarschen (Wählergemeinschaft Netzwerk Dithmarschen -WND) schreiben u.a. in ihrem Kommunalwahlprogramm: „Windkraftausbau in der derzeitigen Form: stoppen! Ausbau nur mit Beteiligung betroffener Bürger und mit deutlich höheren Abständen zu Häusern!“ Also sind sie nicht grundsätzlich gegen Windenergie.
    Im Kommunalwahlprogram der Dithmarscher Grünen heißt es zum Thema Windenergie: „Wir GRÜNE begrüßen die Windenergienutzung als wichtigen Baustein der Energiewende. In Dithmarschen sind bisher ca. 1.000 Windkraftanlagen mit deutlich sichtbaren Auswirkungen im Betrieb. Bei der Ausweisung neuer Windeignungsflächen fordern wir GRÜNE, dass die Belastungsgrenze für die Region und die hier lebenden Menschen Beachtung findet. Daher unterstützen wir GRÜNE den Kreis Dithmarschen bei seinen Bemühungen, die „Hohe Geest“ und das „Rüsdorfer Moor“ als zukünftige Landschaftsschutzgebiete auszuweisen, in deren Folge diese Flächen nicht für die Windkraftnutzung zur Verfügung stehen.“ Dies gilt es jetzt, mit der Landesregierung SH umzusetzen. Inhaltlich unterscheiden sich in Dithmarschen also WND und Grüne fast nicht. Auch hier hat der Autor nicht vernünftig recherchiert. Erneut 6 setzen!

    Zum Thema Waffenerprobung heißt es im Kommunalwahlprogramm der Dithmarscher Grünen: „Die Waffenerprobung der Bundeswehr auf dem Übungsplatz im Speicherkoog stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die Natur dar. Diese Tests haben laute Detonationen zur Folge, die die Anwohner*innen und Tourist*innen stören. Wir GRÜNE halten diesen Standort in unmittelbarer Nähe zu Natur- und Vogelschutzgebieten für Waffenerprobungen nicht geeignet und fordern daher, diese Tests nicht nur zu minimieren, sondern ganz einzustellen.“ Welche Grünen in Dithmarschen hat der Autor denn nach ihrer Einschätzung befragt? Auch hier wieder sehr schlecht recherchiert. Zum dritten Mal 6 setzen!

  2. Das Papier von Parteiprogrammen ist geduldig. Wir müssen aufhören, die Welt zu interpretieren, wir müssen sie verändern.

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