Satire darf alles PARTEI machen

Dieser Tage erzählen mir alle guten Menschen, Politik sei ganz einfach: Du machst zwei Kreuze und dann ist die Demokratie sicher. In Wirklichkeit ist das aber alles viel schwerer. Denn die guten Menschen brauchen dafür Parteien. Das liegt daran: Seit Marx und Bismarck haben wir Parteien und deshalb geht es nicht ohne. In der Demokratie darf man nämlich nicht so viel verändern. Es sei denn, es nützt den Parteien, und zwar denen, die wir schon haben. Damit es nicht so viele neue Parteien gibt, haben wir eine Hürde. Das ist ganz wichtig in der Demokratie, denn sonst können die Parteien nicht in den Hinterzimmern alles in Ruhe besprechen.

Eine neue Partei braucht mindestens eine Million Kreuze. Auch wenn nur ein Drittel der Leute Kreuze machen, brauchen jede Partei eine Million davon. Wahrscheinlich braucht eine neue Partei sogar drei Millionen Kreuze, weil mehr als ein Drittel der Leute zwei Kreuze machen. Deshalb sagen die wirkliche guten Menschen: Du musst zwei Kreuze machen, aber nur dort wo drei Millionen andere Menschen sie auch machen. Für mehr Demokratie sind wir Deutschen einfach nicht reif genug.

Parteien müssen Rabatz machen

Die hohe Hürde überwinden die Neuen nur, wenn sie viel Rabatz machen. Wie das genau geht, wissen PR-Leute. Solche PR-Leute kosten viel Geld. Das viele Geld haben aber nur die Parteien, deren Schlafmützen wir schon seit Jahren kennen. Mit wenig Geld muss man sagen, was die Nazis vor Jahrzehnten schon gesagt haben: Wer sich am wenigsten wehren kann, ist an allem Schuld. Deshalb sagt in diesem Jahr  jeder fünfte Wähler: Ich wähle Nazis, ich bin aber gar keiner, außerdem haben sich die Braunen blau gestrichen.

stimmzettel
Die guten Menschen machen hier ihre Kreuze und retten so die Demokratie. Parteien sind wichtiger als Menschen, deswegen sind sie fett gedruckt. Damit es so bleibt, haben diese Parteien mehr Rechte als alle anderen. Sie sind also wie eitle Männer. (foto:freistern)

Deshalb müssen wir alle die Kreuze an den richtigen Stellen machen, einige Reihen sind gegen die Demokratie. Einige Menschen sagen sich jetzt: Egal, Amerika wird den komischen exildeutschen Millionär überleben, Ungarn überlebt gerade eine Naziregierung, in Polen ist es auch doof und Russland hat einen notorischen Säufer überlebt, wir werden auch das komische blaue Kätzchen Weidel, das in Deutschland nicht mal Steuern zahlt, und ihren Gauleiter überleben. Vermutlich werden wir das auch. Trotzdem wollen wir keine blauen Kreuze. Deshalb müssen wir auf die blau markierte Seite besonders vorsichtig kreuzen.

Staatsknete für Satire

Jetzt bekommen die Parteien ja auch noch Geld vom Staat. Staatsgeld für Parteien ist nach oben gedeckelt. Der Deckel greift praktisch nur bei neuen Parteien, die alten sind im Vorteil. So geht Demokratie: Wer am Fleischtopf sitzt, lässt keine anderen ran. Der Deckel funktioniert so: Ab 0,5 % der Stimmen gibt 0,83 oder 1 €. Ist die Wahlbeteiligung nur 1/3, dann würden 100.000 Stimmen reichen, um 100.000 € Parteienfinanzierung zu bekommen. Die gibt es aber nur, wenn die Partei auch eigene Einnahmen von 100.000 € hat, zum Beispiel Beiträge und Spenden. Wer Spenden gibt und Steuern zahlt, bekommt über 800 Tacken vom Staat zurück. Wer zu wenig verdient, muss es selbst bezahlen. Darum fließt das Wirtschaftswachstum ausschließlich in die Taschen der Fettverdiener. Denn Hartz IV’er können nicht mitspenden.

Nur echte Satiriker sagen sich: Egal, wenn das die einzige Chance ist, an Staatsknete zu kommen, dann eben Die PARTEI, die immer Recht hat. Nutzen  wir das korrupte System der Selbstbedienung. Das wollen die Selbstbediener-Parteien freilich auch nicht. Deshalb sollen wir auch Die Satirepartei DIE Partei nicht wählen, sagen die guten Menschen. Nach der Wahl dürfen sich dann alle, die die Demokratie gerettet haben und die richtigen Kreuze gemacht haben, wundern. Denn am 25. September wird eine Generalamnesie einsetzen. Das ist die Einigkeit aller Demokraten: Alles was sie vorher gesagt haben, ist das Geschwätz von gestern. Dann treten die eigentlichen Retter der Demokratie auf den Plan: die Lobbyisten. Das ist eine Unterabteilung der PR-Leute. Die kosten viel Geld.

So wählst du die Partei: In der rechten Spalte steht’s dort das kreuz machen. Das reicht!

Und das geht so: Die Parteien der Selbstversorgung handeln stets nach dem Opportunitätsprinzip. Darum nennen wir sie Systemparteien. Wenn Du Dein Interesse als Lobbyist dann gegenüber allen Systemparteien konsequent vertrittst, bekommst Du außer Frieden alles, was Du möchtest. Grenze dabei kein System aus. Irgendwo wirst Du einen Selbstbediener finden, der Deine Sache vertritt. Lobbyisten arbeiten nicht mit Bestechung, sondern nur mit Überzeugung. Sie engagieren Berater*innen und Berater aus den Parteien, das ist keine Bestechung. Aus Dankbarkeit geben sie der Politik wissenschaftliche Gutachten, die sie bezahlt haben. Das Ergebnis nennen wir dann nach den Berater*innen Riesterrente. Auf diese Weise werden wir in Zukunft mit Schrödergas, Dobrintmaut und anderen Merkelwürdigkeiten besorgt. Das Einzige, was Du dagegen tun kannst, ist es als Troll Satire zu machen. Deshalb ist der einzig richtige Weg. Die PARTEI kann dann den wissenschaftlichen Dienst des Bundestages beauftragen und Licht ins Dunkel der Demokratie bringen.

 

 

Christian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.