Die Kirche im Dorf

Die Kirche im Dorf heißt nicht Dom, sondern St. Johanniskirche, jedenfalls wenn Du sie im Internet suchst. Anderswo, und dies besonders im Dorf, ist sie männlich und heißt ‚der Dom‘. Deswegen ist sie ist ein ganz besonderes Thema. Der Hauptredner heißt Probst und will immer weiterreden, selbst wenn er schon pensioniert ist. Der Volksmund nennt ihn dennoch bei seinem Vornamen ‚Probst‘, auch wenn schon längst ein anderer so getauft wurde. Deswegen sitzt er allerlei Kulturvereinen vor und bewahrt dort die Kulturhoheit der Kirche. Dome sind nicht zwangsläufig Bischofskirchen, in Meldorf eben reicht ein Probst.

Für manche ist die Kirche der Inbegriff der Kultur schlechthin. Sie lassen für den Begriff der Kultur außer der Kirche nur die von Preußen geschaffenen Einrichtungen wie das Landesmuseum zu. Das Landesmuseum ist inzwischen kein Landesmuseum mehr, sondern ein Kreismuseum. Und statt voraus zu schauen und zu bemerken, dass der Kreis für einen Kreis viel zu klein ist, schauen wir lieber darauf zurück, dass wir einmal ein Land waren. Und selbst wenn wir eines Tages nur noch ein Heimatmuseum sein werden , wir der Titel Landesmuseum bleiben. Denn was uns Holsteinern Preußen gab, darf niemals rosten. Schließlich haben ja so viele ihr Gold dafür gegeben. Auch innerhalb des Doms gibt es sehr schöne Konzerte für Nichtchristen, allerdings muss der oben erwähnte dann immer vorher sagen, dass es die ganze Musik keinesfalls ohne seinen Gott gäbe. Dennoch sei das Haus für alle offen.

Bevor die Kirche die Mär vom christlich-jüdischen Abendland erkor, liefen auch allerlei Pastoren in der Tradition des Judenhassers Martin Luther herum. An den Nachwehen trugen wir noch bis ins 21. Jahrhundert hinein, so lange konnte sich die örtliche Front der Gläubigen nicht einmal vom Schriftsteller Gustav Frenssen trennen. Die Auseinanderssetzung mit ’seinen kolonialistischen, rassistischen und antisemitischen Wertvorstellungen‘ (Wikipedia) sei sehr differenziert gewesen, meinen selbst kritische Betrachter der Szene, aber eben nicht distanziert. Ein Schelm der sich dabei nicht genierte. Sein etwas entstelltes Wohnhaus steht immer mal wieder zum Verkauf.

Die erste Parallelkultur, die neben der Kirche Raum griff, war die Arbeiterbewegung. Es dauerte lange, bis sie einen Kindergarten betreiben durfte, der konfessionsfrei ist. Der Kulturkampf scheint vorerst gewonnen. Diakonie und Arbeiterbewegung haben eine Art friedliche Koexistenz gegründet und wehren nun um Steuerpfründe konkurrierende Parallelkulturen gemeinsam ab. Gemein ist beiden Stützen der Gesellschaft die Abneigung gegen das Kommerzielle, denn siehe, oh gläubige Gemeinde: Das Abzwacken eines Zehnten vom kommerziellen Einkommen ist alles andere als ein kommerzielles Interesse. Was immer es sei, es ist nicht kommerziell. Auch dürfen wir es den Besitzstand an staatlich garantiertem Einkommen nicht als Pfründe bezeichnen. Schweigen wir über ein anderes Thema …

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Christian

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