Fakten-Canapés

Wir müssen den Qualitätsjournalismus retten, weil uns sonst das sorgfältig recherchierte Hintergrundwissen fehlt. Das hören wir immer öfter. Wie können wir überprüfen, ob es stimmt, was uns unsere Medienkonzerne weismachen wollen? Suchen wir einmal den Hintergrund.
Taort Bremen schockte uns jetzt mit der Erkenntnis, dass die internationalen Umweltschutz-Organisationen mit der korrupten Industrie Geschäfte machen, Geschäfte um Ökosiegel und Zertifikate. Wilfried Huismann, der Autor dieser Tatort-Folge, hatte 2012 das „Schwarzbuch WWF“ veröffentlicht, das die betreffende Organisation mit massivem Aufwand zu unterdrücken versuchte. Unsere Qualitätspresse hatte also drei Jahre Zeit, Hintergründe für einen Huismann Tatort zu sammeln.
Von den sieben Fragen, die Springers Handelsmarke für Volksprodukte BILD stellt, bezieht sich eine auf den Inhalt. Brav klärt der WWF auf:  Bei überraschendem Schlechtwtter könne es auf See zu Massenkollisionen mit Hindernissen kommen. Hier bestehe eines der größten Risiken der Offshore-Windenergie. Klasse, BILD! Da wollen wir mal hoffen, dass wir nicht so häufig vom Schlechtwetter überrascht werden, sonst gibt es außer dem Mövensterben auch noch Stromausfall. Immerhin, liebe BILD, Ihr habt alle kostenfreien öffentlich-rechtichen PR-Fotos schön ausgenutzt, für soviel Sparsamkeit loben wir Euch! Vielleicht produziert Ihr ja auch bald den Volks.Schlechtwettermelder!
Was sagen uns nun die klugen Köpfe aus Frankfurt? Sie haben eine Standleitung nach Hamburg zu Greenpeace und so antwortet Sven Teske: Umweltzertifikate für mövenfreundlichen Umweltstrom gibt es gar nicht. Man stelle sich das auch mal vor, liebe FAZ, Greenpeace stellt sich ein Zertifikat für den eigenen Ökostrom aus, nä? Da müsste sich Aufsichtsrat Teske dann ganz schön verbiegen. Energy huhu! Denn Greenpeace ist ja für den Umweltschutz sowas wie BILD für die Medien, nämlich eine Marke für den Verkauf von Produkten, die auf das geistige Niveau der eigenen Zielgruppe zugeschnitten ist. Tolle Hintergrundrecherche! Ein Bienchen für die FAZ.
Der Focus (ja doch!) widmet sich den Hintergründen gleich zweimal. Er erklärt den Ablasshandel, den es dann auch bei der Windenergie gibt, in seiner Krimikritik. Tja, FAZ, man hätte ja mal den Filmautor fragen können. Und zu allem Überfluss erklärt uns ‚Focus‘ auch noch den Ablasshandel im Ökobizz.  Alles nicht der Brüller, aber immerhin ein paar Häppchen Fäktchen.

Christian

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