Zentrifugalsprache

Internet und soziale Medien werden mit Bildern überschwemmt, die nur Text enthalten. Sogar Twitter, der Informationsdienst, der BILD toppen möchte, erlaubt das Dauerparken von Bildern mit Text. Dieser Entwicklung haben wir vorgegriffen, als wir die Promulgarologie und ihre praktische Umsetzung die Promulgatorik als neue wissenschaftliche Disziplin hinzugefügt haben. Jetzt wollen wir der Promulgatorik einen neuen Aspekt hinzufügen: die

Zentrifugalsprache.

Aus dem Journalismus kennen wir, sich auf ein Thema zu beschränken. Die Wirrnis der Welt zerlegen wir in einzelne Themen, und widmen jedem Thema einen eigenen Bericht. Ist die Welt zu komlex, beschränken wir die Anzahl der Berichte. Man nennt diese Strategie der öffentlichen Kommunkation „auf den Punkt kommen.“ Zeitungen und audiovisuelle Medien erleichtern uns die Weltsicht, indem sie uns durch Kürzen entlasten. Dieser fürsorglichen Aufgabe der Redaktionen und Verlage haben die sozialen Medien nun einen Strich durch die Rechnung gemacht. Sie gewähren uns Einblick auch in solche Aspekte des Weltgeschehens, die uns die Herrschaftsmedien bisher fürsorglich vorenthalten haben. Dass nun alle Menschen merken, wie vielfältig und vieldimensional die Welt sein kann, nennen wir

neue Komplexität.

Der Zentrifugalschlaf des katers symbolisiert den Urknall der Kunst
Der Zentrifugalschlaf des Katers symbolisiert den Urknall der Kunst der Zentrifugalsprache.

Sie zeichnet sich dadurch aus, dass sie weder neu ist noch überraschend. Sie war schon immer da, wurde aber nicht bemerkt. Schon das Zeitalter der Massenmedien hatte viele Menschen verwirrt. Schließlich gab es plötzlich mehr als nur einen Gott, den alle auf dieselbegleiche Art verehrten. Die Medien erlaubten uns Einblicke in eine ungeahnte Vielfalt. Jetzt versuchen die traditionellen Medienkonzerne ihre göttliche Rolle zu verteidigen, indem sie die Internetkonzerne verteufeln und Urheberrechtsforderungen stellen. Und just in diesem Moment erobert die Strategie der Zentrifugalsprache die sozialen Medien. Es gibt dafür mehrere Kategorien:

  • Witze, die den Rest der Welt für dummsabbel erklären. Beispiel: „Manchmal komme ich mir vor wie eine Kuh. Die ist auch von Pfostenumgeben.“
  • Erbauungssprüche, die mit einem rosaroten Zuckerguss alles Weh und Ach verkleistern. Beispiel: „Deine wahre Bestimmung ist es glücklich zu sein. Höre auf davon zu träumen.“
  • Visual statemenst, die für Werbezwecke zurecht geschneidert werden. Beispiel: „Do the right and talk about it.“
  • Zentrifugalsprache, die mit einigen Wörtern auf den Punkt kommentieren. Beispiel: Barbara.

Als Abgrenzung

der Zentrifugalsprache von der allgemeinen Promulgatorik müssen wir noch nicht ins Detail gehen, das werden unsere Beiträge mit der Zeit zeigen. Wichtig ist: Die Promulgatorik befasst sich mit den Inhalten aller Schilder, die unsere Weltsicht in der Alltagskultur des Normallebens verwirren. Die Analyse der Zentrifugalsprache beschränkt sich auf den Aspekt einer auf Worten basierenden Form der Street Art, die mit Schildern das verwirrte Normalleben kommentiert und als Bild veröffentlicht.
Zentrifugalsprache ist eine Sprache in Kommentaren auf öffentlich angebrachten Schildern, die Kritik an der Gesellschaft auf den Punkt bringen und diese Kritik mit künstlerischer Energie in die große weite Welt schleudert.

Christian

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