Verbotsirrtümer

Was will uns dieses Schild verbieten?
Was will uns dieses Schild verbieten?

Kürzlich hatten wir den ersten Hauptsatz der Promulgatorik herausgearbeitet: Beschränke Dein Schild auf ein Hauptwort, das leicht zu erkennen ist.“ Prompt stolperten wir über Exemplare, die eklatant gegen dieses Gesetz der Schilderwelt verstoßen. Zuerst entdeckten wir in Travemünde dieses Exemplar: Es zeigt eine (vollständige) Hand in rotem Kreis, die wie bei einem Halteverbotsschild durchgestrichen ist. Suggeriert wird der Inhalt „Hand Nein“. Nun liefert uns das bädertouristische Kulturamt aber gleich auch noch die Erklärung dazu, die wir dem geneigten Promulgatorik-Genießer nicht vorenthalten wollen:

Erklärung zum Handzeichen
Erklärung zum Handzeichen

Das ist eine geballte Ladung Inhalt, mit der wir nicht gerechnet hätten: „Skulptur aus Edelstahl und Aluminium mit farbigen Kugeln. Windturbinen setzen den Wind optimal in Energie um. Ein Kunstobjekt, kein Spielgerät.“ Wir haben jetzt eine gute Auswahl an Möglichkeiten für die Interpretation des runden Schildes: „Bitte nicht mit den farbigen Kugeln ohne Materialangabe spielen!“ Oder lassen Sie sich etwas einfallen. Oder fragen Sie den Künstler: Edgar Ruf, Rheinfelden.

Bei dem zweiten promulgatorischen Rätsel des Tages ist der Verbotsirrtum noch offensichtlicher. Hier wurde die touristische Verwaltung des Timmendorfer Ortsteils Niendorf aktiv:

Seggy trotzdem
Seggy trotzdem

Der rote Querstrich liegt unter dem eigentlichen Motiv, einem Segway fahrenden Mann. Stünde der Segway-Mann allein, hiße der Befehl: „Segway!“ Durchgestrichen bedeutet es „Segway nein“, ein roter Rand unterstreicht das Nein mit dem Befehlszeichen „!“.  Das vermeintliche Verbotsschild kann also nur darstellen, dass sich Segway fahrende Personen über Verbote hinwegsetzen sollen, also: „Segway trotzdem!“ Das wäre also die doppelte Verneinung, in der sich so viele Intellelle so gerne verheddern.

Diese harte Nuss wird noch unterstrichen mit dem erklärenden Schild, das dem Kurgast allerlei Lesestoff zumutet. Es sagt, dass auch Zweiräder auf der Promenade erlaubt seien. Fußgänger müssten akzeptieren, dass es eng werde und sich gehende wie radelnde Personen den knappen Platz teilen müssten. Es wird Schritttempo empfohlen. Anscheinend sollen sich jetzt Seggy fahrende Personen über die Ge- und Verbote hinwegsetzen.

Vorsicht - Rücksicht - Einsicht
Vorsicht – Rücksicht – Einsicht

Möglich dass die Beschilder*innen das Gegenteil sagen wollten: Seggy nein! Auch nicht mit Schrittgeschwindigkeit! Dann, liebe angehende Promulgatorikerin, lieber angehender Promulgatoriker, schaue dir das ausführliche Schild noch einmal an. Dort werden die Radler*innen in deutscher Schriftsprache und promulgarischer Schildgebung aufgefordert Schritttempo zu fahren. Das nennt man in leichtem Deutsch ‚Fahrrad bitte schieben‘, denn eine spaziergängerische Langsamfahrt mit dem Rad endet in rücksichtsloser Eierei. Ähnliches Ge-Eierei widerfährt uns mit dem Travemünder Schild. Die kurze, promulgatorisch korrekte Lesart lautet: „Keine Hand!“ Will man dies nicht als scharfbeiliges Scharia-Urteil fehlinterpretieren und wohlwollend mit dem Wortlaut der Beschriftung kombinieren, lautet die prägnante Aufforderung: „Kunst! Finger weg!“ Den Autor fröstelt’s, es ist Winter.

Christian

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