Bedrohung durch Samenflug

Markus Hacker
Markus Hacker

Der Lust am Garten liegen unterschiedliche ästhetische Ansprüche zu Grunde. Die Einen zupfen den Rasen mit der Pinzette zurecht, die Anderen lieben ihr gehegtes Grün naturnah. Diese Nähe zur Natur ist den Pinzettengärtnern zutiefst zuwider, und da hilft auch kein Maschendrahtzaun.
Nun wird der Garten des Ordnungsaktivisten dem Ökoromantiker nur ein müdes Lächeln abverlangen, er kann tolerieren, dass andere sich ihren Rasen untertan machen. Andersherum fühlen sich die akkuraten Gartenfreunde vom Wildpflanzenbauern bedroht. Und wenn das Geätze über Totholzhaufen oder Wildobsthecken mit Walderdbeerdecke nicht fruchtet, dann muss der Samenflug herhalten, um die jungen Ökowilden zur preußischen Raison zu bringen. Insbesondere der Löwenzahn hat es dem Bürstenschnitter angetan: Denn das bloße Wort ‚Pfahlwurzel‘ treibt dem Wildkrautausrotter die Schweißperlen auf die Stirn.
Sehr schön wirkt da der Rat des Juristen auf 123recht.net . Hier kann leon6 exakt die Paragrafen nennen, nach denen der Ackerwinde und dem Samensegler des Löwenzahns Einhalt zu gebieten ist. Und er laviert heftigst zwischen ortsüblichem Samenflug, Wertverlust des beflogenen Grundstücks und erheblicher Beeinträchtigung des Wohnwerts herum. Schließlich kommt er zu dem Rat, viele Fotos zu knipsen und dabei reichlich vom kreativen Gestaltungsspielraum Gebrauch zu machen, um später den Richter zu überzuegen.
Nun ja, haben Sie auch von dem Nachbarschaftsstreit über quakende Frösche gehört? Die Nachbarn klagten gegen die Quak-Immissionen von Nachbarfrösche im Teich. Der Richter ließ sich wohl nicht von den kreativen Tonaufnahmen manipulieren. Er urteilte salomonisch und forderte die Kläger auf, sich selbst einen Froschteich anzulegen. Denn siehe das eigene Gequake stört weniger als nachbarliches. Wie mag denn nun der Gärtner mit den geraden Kanten seine Gegenwehr aussäen? Eine Sanddornhecke mit Rhizomsperre gegen das eigene gepflegte Grundstück?

Mac Hacker

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