Von Dreiecken, Stelen und Pylonen

In der modernen Architektur für Handel und Gewerbe haben einzelne Bauten nur den Zweck, Aussagen der Werbung darzustellen. So stellen alle Autohäuser eine Stele an den Straßenrand, welche die Welt der werbisch Sprechenden „Pylone“ nennen. In der antiken Baukunst markierten je zwei prächtige Säulen den Eingang von Tempeln, diese bauliche Anlage nannte man „Pylone„. Das waren sehr oft sogar recht fette, wuchtige Gebäude. Von Barockschlössern kennen wir auch solche Pylone, die sahen dann schon etwas zierlicher aus. In der Neuzeit bezeichnen Pylone tragende Säulenelemente. Der neuzeitliche Werbisch stellt eine Stele an den Straßenrand und nennt sie ‚Pylon‘. Das soll dem vorbeirasenden Autofahrer bedeuten: Hallo, hier stehe ich, Dein Fahrgefühl, Dein Ego, Dein Alles-Was-Über-Prüfplaketten-Hinausgeht (DAWÜPH). Auf dem ersten Bild sehen wir nun den Pylon auf einem Bein mit Überbreite. Den Ein-Bein-Pylon gibt es auch in der Fähnchen-Variante, mit der ein französischer Händler Flagge zeigt. Daran erkennen wir, dass der Pylon die Fahne ersetzt. Der Pylon ist starrer als früher die Fahnen, die über den Wipfeln der Autohäuser wehten. Das ist auch nur logisch, stehen die Pylone doch für starre hierarchische Strukturen großer Autokonzerne. Einen Kompromiss aus Fahnenmast und breiter Einbeinstele hat ein bayerischer Hersteller eines ehedem britischen Fahrzeugs gefunden. Drei monochrome Fähnchen an einem Mast ohne weitere Aussage wirken wie ein breiter Pylonklotz und doch etwas leichter.

Gerne stellen die Autohäuser Fremdfahrzeuge neben ihre Pylone. Daraus jetzt Schlussfolgerungen zu ziehen, wäre allerdings wohl etwas gewagt. Allerdings scheint auf den ersten Blick diese Gepflogenheit beim Zweibein-Pylon typisch zu sein, wie ein namhafter japanischer Hersteller und ein amerikanischer Konzern zeigen:

     

In gleicher Weise wie anderen Branchen sehen die gestalterischen Vorschriften für Autohäuser das Dreieck über dem Eingang vor:

Alle drei Autohausbeispiele legen nahe, dass sich die Architekten in der Sargdeckel-Ära geschämt haben, diese Dreiecke über die Eingänge zu setzen. Aber die Herren mit den schwarzen Rollipullovern hatten nicht den Mumm gegen die unverzeihliche Gestaltungsmacht der Werbung aufzubegehren. Eigentlich müsste sich jede Architektin, jeder Architekt weigern, ein Auto zu kaufen, angesichts einer derartigen Vergewaltigung eines jeglichen gestalterischen Verständnisses.

Aber, das müssen wir anfügen, das Eingangsdreieck bleibt nicht auf die Autobranche beschränkt, sie färbte ab, und zwar gewaltig:

Wir sehen, wie stilbildend das Dreieck auch in der post-postmodernen Ära des gewerblichen Bauens war: Autohaus (Autokauf 20.000 Euro Umsatz) =  ein Dreieck,  Tanken (für ein Auto 60.000 Euro Umsatz) = drei Dreiecke. Frage: Wieviel soll eine Küche kosten? Richtig! Ein Dreieck 😉

Die Überbetonung des Dreiecks in der Werbung zeigt dann deutlich den künftigen Weg für die Baukunst zurück zur Dackelgarage: Das ist das Haus von Dackel Klaus.

 

Mac Hacker

Ein Gedanke zu “Von Dreiecken, Stelen und Pylonen

  1. Großartig dargestellt sieht man hier die Fehler, die bei der Außenwerbung immer und immer wieder gemacht werden. Ob dies vom Auftraggeber so gewünscht wird oder vom Werbetechniker so verbrochen wurde, ist letztendlich egal.
    Außenwerbung dieser Art ist kontraproduktiv und allenfalls Reklame für den Mitbewerber!

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