Mein Chef ist mein Kunde

Wir sind es gewohnt, dass in Werbung und Marketing Sprüche geklopft werden. Einer dieser Sprüche ist die Lüge, der Kunde sei zu behandeln wie ein König. Das ist allein schon deswegen eine Lüge, weil in diesem Land kaum jemand jemals einen König bedient hat. Und wohl kaum einer der MitarbeiterInnen eines königlich dänischen Hoflieferanten hat der Frau Margarete persönlich die Hand geschüttelt. Statt Könige zu bedienen müssen die Verkäuferinnen und Verkäufer dem Chef ihres Ladens gewogen sein. Und die einzigen Kunden, die auch gleichzeitig Eigentümer und Chefs eines Ladens sind, ja das sind Genossenschaftsmitglieder, wie zum Beispiel in Volksbanken, Sky-Läden, Wohnungsbaugenos oder Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften.

Und das soll wirklich ein Unterschied sein? Ja, das ist es. Kürzlich fragte ein Geno-Mitglied auf der Genossenschaftsversammlung erstaunt:“Und das ist wirklich so, dass jedes Mitglied nur eine Stimme hat?“ Klar und deutlich antwortete der Vertreter des Prüfungsverbands: „Normaler Weise ja, und das ist auch gewollt so!“ Und. möchte ich ergänzen, das ist auch gut so. Denn kein Kunde einer Genossenschaft kann von sich behaupten, dass er von den Geschäften der Genossenschaft mehr wüsste als andere, nur weil er mehr Anteile hat. Diejenigen, die sich am meisten um die Genossenschaft kümmern, haben mehr Ahnung. Das können Angestellte sein, aber aber Vorstände und Aufsichtsräte.

Eine andere Verbindung des Mitglieds einer Genossenschaft zu seinem Unternehmen besteht darin, dass es mit seinem Einkauf, seiner Miete, seiner Kontoführung im Genossenschaftsunternehmen selber zu Gewinn und Verlust beiträgt. Will das Mitglied also als Kunde wie ein Trittbrettfahrer kostenlos mitsurfen, schadet es dem ganzen Unternehmen, also allen anderen Genossenschaftsmitgliedern. Sozial verantwortliches Verhalten innerhalb der Genossenschaft wird also individuell belohnt. Andererseits müssen die Mitglieder gegenüber gnadenlosen Egoisten wachsam sein. Sie müssen soziale Kontrolle ausüben, freilich möglichst ohne sich einer Blockwartmenatlität zu befleißigen. Die Regeln, die innerhalb der Genossenschaft gesetzt werden, müssen diesen Mechanismen gerecht werden: Egoismus mit Sanktionen belegen auf der einen Seite, Ziel führende Kommunikation in der Gruppe fördern und Anreize für ein Verhalten setzen, das sich an Gemeinschaft orientiert. Die Experten sprechen vom Identitätsprinzip im Genossenschaftswesen.

Christian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.