Was kann die Genossenschaft besser als ein Verein?

Immer wieder, immer wieder: Gruppen von Menschen wollen gemeinsam etwas Gutes, etwas Wichtiges, etwas Richtiges für die Gemeinschaft betreiben: ein  Theater, eine Kneipe, ein Schwimmbad oder einen Dorfladen. Sie gründen dann zunächst einmal einen Verein. Das kann lange Zeit gut funktionieren. Besonders dann, wenn die laufenden Einnahmen aus Subventionen oder Mitgliederbeiträgen Jahr für Jahr die Kosten abdecken. Aber immer wieder bröckelt und bröselt die gute Absicht dahin, und das liegt oft an fehlender Transparenz. Dann hat die Genossenschaftdeutliche Vorteile gegenüber dem Verein.

Die Genossenschaft als Wirtschafts-Verein

Immer wenn Eigentum erworben wird oder die Gemeinschaft an den Markt geht, dann sollte man an eine Genossenschaft denken. Hier kann die aktive Teilnahme am Wirtschaftsleben vom ersten Tag an gut umgesetzt werden. Am Anfang stellt die Genossenschaft eine Bilanz auf. Dazu muss sie ihre künftigen Geschäfte planen: Was brauchen wir? Was müssen wir investieren? Was kostet wie viel? Wo bekommen wir die besten Zinsen? Wer seine Geschäfte erst einmal so geplant hat, weiß auch wie viel Geld die Gruppe in die Hand nehmen muss, um ihren Verein auf solide Füße zu stellen.

Vereint unternehmerisch wirtschaften

Wer mit dem Geschäftsleben vertraut ist, der wird auch die Geschäfte eines Vereins ordentlich planen und eine Bilanz aufstellen. Doch die meisten kollektiven Gründungen werden von betriebswirtschaftlichen Laien angeschoben.  Und das ist auch gut so, denn viele Leistungen gäbe es am Markt gar nicht, wenn nur die Marketing-Profis Unternehmen gründen würden. Deshalb gehört es auch zu den Prinzipien des internationalen Genossenschaftswesens (co-operatives), dass die Funktionen Vorstand und Aufsichtsrat aus den Reihen der Mitglieder besetzt werden. Juristen nennen das ‚Selbstorganschaft‚.

Das Wirtschaftsziel steht im Rampenlicht

Genau an dieser Stelle schlummert eine große Chance genossenschaftlichen Denkens, besonders dort wo Unternehmen wegen Globalisierung und Rationalisierung wegsterben. Genossenschaften können dann Leistungen und Produktionen erhalten oder neu wiedergründen, weil ihre Mitglieder anders an die Aufgabe herangehen. Sie sind nicht der Rendite anonymer Aktionäre in Irgendwo verpflichtet, sie müssen auch nicht den Wohlstand einer traditionsbewussten Oberschicht-Familie mehren. Sie sind einzig und allein dem Zweck der Genossenschaft verpflichtet. Die Genossenschafter haben das Ziel, ihr Geschäft zu betreiben und zu erhalten, auch wenn ein Verkauf des Inventars mehr Profit brächte. Der andere Blickwinkel eröffnet neue Möglichkeiten zu unternehmen und zu handeln.

Den Geschäftsbetrieb vielfältig finanzieren

Zum einen können Kosten auf die BenutzerInnen umgelegt werden: Jeder Kneipenbesucher wird Mitglied und zahlt einen Jahresbeitrag. Jeder Miteigentümer zahlt am Jahresanfang einen Festbetrag ein und „verbraucht“ die Vorauszahlung im Laufe des Jahres, der Rest ist ein Geschenk. Es werden öffentliche Aufgaben übernommen, Sponsoren, Spenden oder Kooperationen gesammelt.Viele Formen sind möglich, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Ohne Staat und Steuern können sich Bürgerinnen und Bürger selber helfen und die Ökonomie demokratisieren.

Kapital beschaffen: Jeder nach seinen Fähigkeiten

Das Gleiche gilt für die Beschaffung des Kapitals. Ist der Kapitalbedarf festgestellt, fragt die Genossenschaft nicht mehr danach: Wer investiert diesen Betrag? Die Genossenschaft fragt viel mehr:  Welchen Betrag kann jede Person, die teilnehmen möchte, einzahlen? Wer kann mehrere Beträge (Geschäftsanteile) einzahlen? Die Gemeinschaft und die gewünschte Leistung für die Gemeinschaft steht im Vordergrund, nicht die Rendite. Gleichezitig wahrt diese Wirtschaftsform alle Vorteile der Marktwirtschaft.

Christian

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