Tag Archive 'Unternehmen'

Jul 06 2011

Was kann die Genossenschaft besser als ein Verein?

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Immer wieder, immer wieder: Gruppen von Menschen wollen gemeinsam etwas Gutes, etwas Wichtiges, etwas Richtiges für die Gemeinschaft betreiben: ein  Theater, eine Kneipe, ein Schwimmbad oder einen Dorfladen. Sie gründen dann zunächst einmal einen Verein. Das kann lange Zeit gut funktionieren. Besonders dann, wenn die laufenden Einnahmen aus Subventionen oder Mitgliederbeiträgen Jahr für Jahr die Kosten abdecken. Aber immer wieder bröckelt und bröselt die gute Absicht dahin, und das liegt oft an fehlender Transparenz. Dann hat die Genossenschaftdeutliche Vorteile gegenüber dem Verein.

Die Genossenschaft als Wirtschafts-Verein

Immer wenn Eigentum erworben wird oder die Gemeinschaft an den Markt geht, dann sollte man an eine Genossenschaft denken. Hier kann die aktive Teilnahme am Wirtschaftsleben vom ersten Tag an gut umgesetzt werden. Am Anfang stellt die Genossenschaft eine Bilanz auf. Dazu muss sie ihre künftigen Geschäfte planen: Was brauchen wir? Was müssen wir investieren? Was kostet wie viel? Wo bekommen wir die besten Zinsen? Wer seine Geschäfte erst einmal so geplant hat, weiß auch wie viel Geld die Gruppe in die Hand nehmen muss, um ihren Verein auf solide Füße zu stellen.

Vereint unternehmerisch wirtschaften

Wer mit dem Geschäftsleben vertraut ist, der wird auch die Geschäfte eines Vereins ordentlich planen und eine Bilanz aufstellen. Doch die meisten kollektiven Gründungen werden von betriebswirtschaftlichen Laien angeschoben.  Und das ist auch gut so, denn viele Leistungen gäbe es am Markt gar nicht, wenn nur die Marketing-Profis Unternehmen gründen würden. Deshalb gehört es auch zu den Prinzipien des internationalen Genossenschaftswesens (co-operatives), dass die Funktionen Vorstand und Aufsichtsrat aus den Reihen der Mitglieder besetzt werden. Juristen nennen das ‘Selbstorganschaft‘.

Das Wirtschaftsziel steht im Rampenlicht

Genau an dieser Stelle schlummert eine große Chance genossenschaftlichen Denkens, besonders dort wo Unternehmen wegen Globalisierung und Rationalisierung wegsterben. Genossenschaften können dann Leistungen und Produktionen erhalten oder neu wiedergründen, weil ihre Mitglieder anders an die Aufgabe herangehen. Sie sind nicht der Rendite anonymer Aktionäre in Irgendwo verpflichtet, sie müssen auch nicht den Wohlstand einer traditionsbewussten Oberschicht-Familie mehren. Sie sind einzig und allein dem Zweck der Genossenschaft verpflichtet. Die Genossenschafter haben das Ziel, ihr Geschäft zu betreiben und zu erhalten, auch wenn ein Verkauf des Inventars mehr Profit brächte. Der andere Blickwinkel eröffnet neue Möglichkeiten zu unternehmen und zu handeln.

Den Geschäftsbetrieb vielfältig finanzieren

Zum einen können Kosten auf die BenutzerInnen umgelegt werden: Jeder Kneipenbesucher wird Mitglied und zahlt einen Jahresbeitrag. Jeder Miteigentümer zahlt am Jahresanfang einen Festbetrag ein und “verbraucht” die Vorauszahlung im Laufe des Jahres, der Rest ist ein Geschenk. Es werden öffentliche Aufgaben übernommen, Sponsoren, Spenden oder Kooperationen gesammelt.Viele Formen sind möglich, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Ohne Staat und Steuern können sich Bürgerinnen und Bürger selber helfen und die Ökonomie demokratisieren.

Kapital beschaffen: Jeder nach seinen Fähigkeiten

Das Gleiche gilt für die Beschaffung des Kapitals. Ist der Kapitalbedarf festgestellt, fragt die Genossenschaft nicht mehr danach: Wer investiert diesen Betrag? Die Genossenschaft fragt viel mehr:  Welchen Betrag kann jede Person, die teilnehmen möchte, einzahlen? Wer kann mehrere Beträge (Geschäftsanteile) einzahlen? Die Gemeinschaft und die gewünschte Leistung für die Gemeinschaft steht im Vordergrund, nicht die Rendite. Gleichezitig wahrt diese Wirtschaftsform alle Vorteile der Marktwirtschaft.

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Jul 03 2011

Genossenschaften können mehr

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Warum sollte ein genossenschaftliches Unternehmen mehr können als ein privates? Die übliche Vorstellung ist ja: Wenn sich etwas lohnt, dann wird das schon einer anpacken, der das nötige Kleingeld hat. Nun lohnt sich aber nicht alles so schnell, wie sich das Geldgeber wünschen. Nehmen wir einmal folgenden Fall an: Ein Politiker möchte in einer ehemaligen Industriestadt, aus der die Menschen abwandern, einen neuen Wirtschaftszweig in Gang bringen, zum Beispiel Ökotourismus. Dann wird jeder Investor, jede Bank fragen, ob die Region denn die Voraussetzungen dafür erfüllt, so dass sich die Investition lohnt.

Eigenleistungen investieren

Das ist normaler Weise nicht der Fall. Obwohl nur ganz einfache Fragen beantwortet werden müssen: Habt Ihr einen Fahrradverleih? Habt Ihr ein ausgebautes Rad- und Wanderwegenetz? Mit den nötigen Infotafeln für die Kids? In solchen Fällen können die Menschen, die vor Ort leben und Arbeit suchen, die besseren Investoren sein. Für Radwege, Infotafeln und Fahrradverleih braucht man in erster Linie Arbeitskraft. Diese Investition kann eine Genossenschaft einbringen: als Eigenleistung derer, die später auch im Tourismus arbeiten wollen.

Informationen streuen und Kooperationen suchen

Außerdem müssen Informationen gestreut werden: Wo und vor allem wie wollen die Touristen wohnen? Welches Ambiente lieben sie? Wie finden wir sie, wie kommen wir mit ihnen in Kontakt? Auch hier kann bürgerschaftliches, genossenschaftliches Engagement wertvolle Hilfe leisten. Erste Schritte sind leicht getan: Die Selbsthilfe-Geno Öko-Tour eG eröffnet einen Fahrradverleih am Bahnhof. Aber leider weiß noch kein Ökotourist, dass man dort einen schönen Ausflug in die Natur machen kann. Also sucht die Öko-Tour eG einen Koop-Partner, die Bahngesellschaft. Beide bieten gemeinsam tolle Touren an. Mehr Leute hüpfen auf die Bahn und lernen die Region kennen. Jetzt braucht die Öko-Tour eG noch einen gastronomischen Partner, der die passenden Speisen und Getränke anbietet. Vielleicht können wir vor Ort noch regionalen Bio-Honig und regionalen Bio-Käse einkaufen? So kann auf genossenschaftliche Weise der Boden bereitet werden, dass sich größere Investitionen auch lohnen. Genossenschaften können eben mehr.

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Jul 01 2011

Mein Chef ist mein Kunde

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Wir sind es gewohnt, dass in Werbung und Marketing Sprüche geklopft werden. Einer dieser Sprüche ist die Lüge, der Kunde sei zu behandeln wie ein König. Das ist allein schon deswegen eine Lüge, weil in diesem Land kaum jemand jemals einen König bedient hat. Und wohl kaum einer der MitarbeiterInnen eines königlich dänischen Hoflieferanten hat der Frau Margarete persönlich die Hand geschüttelt. Statt Könige zu bedienen müssen die Verkäuferinnen und Verkäufer dem Chef ihres Ladens gewogen sein. Und die einzigen Kunden, die auch gleichzeitig Eigentümer und Chefs eines Ladens sind, ja das sind Genossenschaftsmitglieder, wie zum Beispiel in Volksbanken, Sky-Läden, Wohnungsbaugenos oder Erzeuger-Verbraucher-Genossenschaften.

Und das soll wirklich ein Unterschied sein? Ja, das ist es. Kürzlich fragte ein Geno-Mitglied auf der Genossenschaftsversammlung erstaunt:”Und das ist wirklich so, dass jedes Mitglied nur eine Stimme hat?” Klar und deutlich antwortete der Vertreter des Prüfungsverbands: “Normaler Weise ja, und das ist auch gewollt so!” Und. möchte ich ergänzen, das ist auch gut so. Denn kein Kunde einer Genossenschaft kann von sich behaupten, dass er von den Geschäften der Genossenschaft mehr wüsste als andere, nur weil er mehr Anteile hat. Diejenigen, die sich am meisten um die Genossenschaft kümmern, haben mehr Ahnung. Das können Angestellte sein, aber aber Vorstände und Aufsichtsräte.

Eine andere Verbindung des Mitglieds einer Genossenschaft zu seinem Unternehmen besteht darin, dass es mit seinem Einkauf, seiner Miete, seiner Kontoführung im Genossenschaftsunternehmen selber zu Gewinn und Verlust beiträgt. Will das Mitglied also als Kunde wie ein Trittbrettfahrer kostenlos mitsurfen, schadet es dem ganzen Unternehmen, also allen anderen Genossenschaftsmitgliedern. Sozial verantwortliches Verhalten innerhalb der Genossenschaft wird also individuell belohnt. Andererseits müssen die Mitglieder gegenüber gnadenlosen Egoisten wachsam sein. Sie müssen soziale Kontrolle ausüben, freilich möglichst ohne sich einer Blockwartmenatlität zu befleißigen. Die Regeln, die innerhalb der Genossenschaft gesetzt werden, müssen diesen Mechanismen gerecht werden: Egoismus mit Sanktionen belegen auf der einen Seite, Ziel führende Kommunikation in der Gruppe fördern und Anreize für ein Verhalten setzen, das sich an Gemeinschaft orientiert. Die Experten sprechen vom Identitätsprinzip im Genossenschaftswesen.

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Jan 26 2011

Wohnprojekt als Genossenschaft – warum?

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Wenn man wie ich die Form der Genossenschaft propagiert, erntet man oft erstaunte Nachfragen: “Genossenschaft? Warum?” Nach und nach möchte ich einige Argumente hier niederlegen. Aus aktuellem Anlass: Welche Vorteile hat die Genossenschaft für ein Wohnprojekt? Die Antwort beginnt mit einer Gegenfrage: “Was verstehst Du unter einem Wohnprojekt?” Wohnprojekten geht es normalerweise, so  Wikipedia, um “Selbstverwaltung und basisdemokratische Arbeitsweisen”. Danach wird auch Spekulation mit Wohneigentum als Kapitalanlage abgelehnt. Es gibt auf der anderen Seite neue Formen von Bauprojekten, in denen Menschen gemeinsam ihr künftiges Wohneigentum planen, sogenannte ‘Baugemeinschaften’. Solche Baugemeinschaften können Wohnprojekte sein, sind es aber in der Regel nicht.

Gemeinschaft gleichberechtigter Menschen

Link zur Wohnreform eGWohnprojekte wollen nicht nur ihr Wohnumfeld bewusst gestalten, sondern auch eine dauerhafte Gemeinschaft der dort wohnenden Mitmenschen. Geht es um die Gemeinschaft, dann gelten in einem pluralen, liberalen und demokratischen Gemeinwesen eben auch die Regeln der Partizipation und der Gleichberechtigung. Genau dies ist Grundlage der Verfassung von Genossenschaften, wie man das im Wertekatalog des internationalen Genossenschaftswesens nachlesen kann. Die Teilhabe an dem Wohnprojekt hängt dann nicht vom Reichtum eines einzelnen Teilnehmers ab. Ziele von Genossenschaften sind also die gleichen wie die Ziele von Wohnprojekten. Nun gibt es an der ganzen Sache in Deutschland leider ein Leider.

Das deutsche Handicap und eine neue Lösung

Zum einen hat die deutsche Wirtschaft Anfang des 20. Jahrhunderts das Genossenschaftswesen bekämpft und die NS-Diktatur hat ihr dabei geholfen, dem Genossenschaftswesen Steine in den Weg zu legen. Deshalb haben die meisten Wohnungsbaugenossenschaften ihre Spareinrichtungen verloren. Später wollten sich die westdeutschen Genossenschaft übereifrig von ihren ostdeutschen Pendants abgrenzen. So war es in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts kaum möglich, neue Wohnprojekte als Genossenschaft durchzubringen. Findige Leute ersannen deshalb eine juristisch sehr komplizierte Lösung, aus der ein großer genossenschaftlicher Zusammenhang für selbstverwaltete Wohnprojekte wurde: das Mietshäuser Syndikat.

Auch Reiche können mitmachen

Inzwischen ist die Spaltung Deutschlands überwunden, und man kann sich wieder ohne Scheu genossenschaftlich organisieren. Die Handicaps sind ausgeräumt und die genossenschaftlichen Prüfungsverbände heißen einen willkommen. Viele der neuen Genossenschaften können von Wohnungsbauprogrammen profitieren. Schwierig wird es nur, wenn man die Bedürfnisse von reichen Leuten Leuten mit den Bedürfnissen von armen Menschen in Einklang bringen will. Für die Wohreform eG hat der norddeutsche Prüfungsverband der Wohnungsbaugenossenschaften eine Lösung gefunden.

Oft muss man eine neue Genossenschaft gründen

Link zum Wohnprojekte PortalWarum sollte man sich denn nicht mit einer der traditionellen etablierten Wohnunsgbau-Genossenschaften zusammen tun? Nun, das kann man in vielen Fällen sehr gut. Manchmal passen allerdings die Interessen der Wohnprojektler nicht so gut mit den Interessen der Wohngeno zusammen. Traditionelle Baugenossenschaften haben nämlich eine Verantwortung für das Kapital ihrer (vielen) Mitglieder, die in schon bestehenden Wohnungen leben. Die Wohngenos kennen “ihren” Wohnungsmarkt vor Ort perfekt. Und daran orientieren sie ihre Baupolitik. Kommen jetzt neue Leute, “die alles ganz anders machen wollen”, dann kann es sein, dass die neuen Wünsche (noch) nicht zu den Planungen der alten Genossenschaft passen. Das kann sich im Laufe der Zeit aber ändern, und wenn erst ein Wohnprojekt über zehn Jahre Erfolge hat, zieht die traditionelle Wohngeno nach. Das ist logisch und vernünftig: Um den Bestand zu erhalten agiert eine gute Genossenschaft sehr vorsichtig. Ein weiteres Charaktermerkmal von Genossenschaften, das für die Bewohnerinnen und Bewohner ein Vorteil ist: Sicherheit!

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Aug 31 2010

SUV: Soziale Unternehmer Verantwortung

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Es klang für mich nach einer US-Krimiserie, aber das war’s dann nicht: CSR. Das bedeutet Corporate Social Responsibility oder soviel wie Soziale Unternehmer Verantwortung (SUV). Leider hatten die Auto-Unternehmen die deutsche Abkürzung schon besetzt für Sport Utility Vehicles. Diese Privaten Gelände Panzer (PGP) zerbrettern öffentliches Eigentum und zermartern die Anlieger von Straßen mit Kopfsteinpflaster. Doch leider konnte man diese Autos nicht PGP nennen, weil dies in der Computerszene schon mit ‘pretty good privacy’ übersetzt wurde.

Wofür verflixt ist ein Unternehmen sozial verantwortlich? Klar: für den sparsamen Umgang mit Ressourcen bei der Produktion gesellschaftlich notwendiger Güter. Nur leider sind diese Unternehmen gezwungen so viel gesellschaftlich Unnötiges zu produzieren, dass sie nun von Regierungsseite aufgefordert werden, sozial verantwortlich zu handeln.

Was tun diese Unternehmen dann gesellschaftlich Gutes? Sie gründen Stiftungen. Zum Beispiel die Bertelsmann Stiftung. Die sponsert wissenschaftliche Gutachten und Ausbildungen, die dem Bertelsmann-Konzern dann wieder nützen. So hat Bertelsmann Steuerfreiheit für notwendige Kosten des Unternehmens, die sonst den Gewinn schmälern.

Manche Stiftung stiftet dann auch Geld für die Versorgung von Kindern mit Essen oder Kleidung. Denn es gehört zum gesellschaftlich sparsamen Umgang mit Ressourcen, Menschen ins Elend zu schicken. Auch unter Leistungsträgern gibt es viel Armut, aber die Armut der Erwachsenen ist für Stiftungen weniger attraktiv.

Jetzt hat man eine Stiftung gegründet, die ihr Geld solchen Unternehmen stiftet, die sozial verantwortliche Projekte erfinden. Das ist doch hübsch, nicht wahr? Nur werde ich das Gefühl nicht los, dass es sich bei all diesen Dingen um einen riesigen zynischen Beschiss geht.

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