Mai 10 2011
Sehnsucht nach Diktatoren
Ein Böblinger Polizist erklärt vor Gericht: Er habe seine Krankschreibung 2007 genutzt, um sich in Libyen fortzubilden. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung ausführlich, andere Gazetten drucken den DAPD-Bericht. Der Polizist habe wie ein paar andere Kollegen auch auf Einladung der ostfriesischen Sicherheitsfirma BDB Protection (inzwischen insolvent) dort zuschauen dürfen, wie Soldaten der libyschen Diktatur den Häuserkampf üben. Auch hat er über 400 Schuss Munition in seinem Spind gehortet. Der Polizist, der nicht mit Namen genannt wird, hat sicherlich auch für diese kriminelle Handlung eine schicke Räuberpistole parat haben. Wo man so dreist wie geschickt lügen lernte? Der 44jährige Mann lernte Terrorabwehr bei der Nationalen Volksarmee der DDR und siedelte mit dem Beitritt der DDR zum Sondereinsatzkommando des freien Westens über.
Haben wir gerade von Stas-IM Swantje gelernt, dass der Zweck (“Weltfrieden”) jegliches Mittel geheiligt habe und die Opfer der DDR-Staatssicherheit sozusagen ein Kollateralschaden der guten Sache waren, so müssen wir uns in diesem Fall des NVA-Veteranen eines anderen belehren lassen. Offensichtlich ging es den Weltfriedenskämpfern der NVA nicht um das Ziel, sondern nur um die Anwendung der Mittel: möglichst hinterhältig feige im Stil und brutal in der Sache, für wen ist egal, Hauptsache er zahlt.
Aber vielleicht ist die Sache ja noch viel viel einfacher. Wenn Armeen erst einmal Spezialkampfroboter ausgebildet haben, wollen die auch spezialkämpfen. Wenn Geheimdienste erst einmal ein Lügenroboter ausgebildet haben, wollen die auch lügen. Oder gibt es eine Sehnsucht nach Diktaturen? Das klingt wohl doch ein bisschen gruselig.