Jan 30 2011
“Jagd auf einen Menschen” neu gelesen …
Die Lebenslügen der Politik führen für die Betroffenen zu gemeinen Zynismen. Eine dieser Lebenslügen ist: Wer eine gute Ausbildung hat, wird auch nicht arbeitslos. Komischer Weise sind die Trainings für arbeitslose Akademiker hoffnungslos überbucht. Die alte Morgensternsche Regel, dass nicht sein könne, was nicht sein dürfe, feiert fröhliche Urständ. Aber wen wundert’s? Schließlich lassen wir uns von Juristen regieren.
Die arbeitslosen Akademiker nehmen dann in ihrer Ausgrenzung unterbezahlte Dozentenjobs an. ‘Deutsch für Ausländer’. Wer sich so mit Stundenhonoraren von 15 oder 20 Euro erst einmal tausend Euro für Miete und Essen verdient, sitzt dann schon wieder in der Falle. Dann kommt nämlich die Bundesversicherungsanstalt für angestellte Gewerkschafter und Fettverdiener und verlangt 400 Euro monatlich. Pikanter Zynismus dabei ist, dass alle anderen Akademiker, die sich dort für 400 frewillig versichern wollen, von der BfA abgewimmelt werden. Die freiwillige Rentenversicherung rechne sich nicht, heißt es dann.
Die Situation ist empörend: Die Politik versucht zum Beispiel Deutschkurse für Einwanderer so unattraktiv wie möglich zu machen, indem sie zu wenig Geld dafür bewilligt. Kirchliche und soziale Einrichtungen, die als Träger dieser Deutschkurse dann bereit sind, die Dozenten auszubeuten, bugsieren ihre Helferinnen und Helfer dann in eine gnadenlose Abzockfalle, indem sie sämtliche Risiken juristisch tipp topp auf die Ausgebeuteten abwälzen. Dann darf die Rentenversicherung die Versicherungsbeiträge fünf Jahre rückwirkend nachfordern. Da kommen schnell 20.000 Euro zusammen, die dann von 1000 Euro Umsatz pro Monat abzüglich 400 Euro Versicherung bezahlt werden müssen.(Vergleiche Harry Zingel)
Man gehe jetzt bitte nicht zur Gewerkschaft, weil man meint, dies sei eine soziale Sauerei. Die gewerkschaftliche Beratung für Selbständige findet das nämlich völlig in Ordnung. Die soziale Not ist ihnen dabei egal, schließlich wird ja mit der Versicherungspflicht eine gewerkschaftliche Forderung umgesetzt. Lieber sieht ein gewerkschaftlicher Festverdiener die selbständige Ratte in der Falle, als dass da jemand für eine Sekunde das Gehirn einschaltet.
Da wäre es doch wirklich ehrlicher, wenn wir das umsetzen würden, was Svend Åge Madsen schon 1996 in seinem Jugendroman Die Jagd auf einen Menschen vorgeschlagen hat.