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Crowd-Funding: Die ZEIT floppt, das Web boomt

Einen Bericht über die Erfolgsgeschichte des Crowd-Funding betitelt die Wochenzeitung Die Zeit mit „Das leise Sterben der Crowdfunding-Plattformen„. Tatsache ist: eine deutsche Plattform hat sich abgemeldet, während die anderen vier wachsen. Schauen wir uns hier die Fakten an, wenn die Printpresse falsch informiert. Alle deutschen Plattformen stellen ihre Zahlen und Fakten öffentlich und lizenzfrei aus. Wir haben am 12. Dezember gezählt und nachgeschaut, wie die Erfolge der Crowd-Funding-Anbieter aussehen.
Marktführer in Deutschland ist startnetxt.de. Von bisher 920 Bewerbern sind dort 54% erfolgreich gewesen und haben durchschnitlich etwa 3600 € pro Projekt eingesammelt. Die Projekte, die zur Zeit um die Gunst der Community buhlen, wünschen sich am Ende durchscnittlich über 17.000 €. Ob das ein Zeichen für die Professionalisierung bei dieser Finanzierungsform ist oder nur Wunschdenken wird sich zeigen.
Kleinere Brötchen backen die 75 Projekte, die sich bei VisionBakery erfolgreich beworben hatten. Sie zogen im Schnitt rund 2.200 € von ihren Fans ein, die anderen 81 Projekte gingen leer aus.
Die beiden deutlich kleineren Plattformen inkubato und pling haben Erfolgsquoten von 22% und 11%. Hier sticht inkubato hervor, wo die durchscnittlich erreichten knapp 5.000 € pro Projekt darauf hindeuten, dass sich die Anbieter etwas besser auf ihre Aufgabe vorbereitet hatten.
Bei der Crowd-Funding-Finanzierung gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip. Das bedeutet: Will ein Projekt 5.000 € einsammeln, schafft aber in der angesetzten Frist nur 4.999 € an Geldzusagen, dann ist das Projekt gescheitert und bekommt nichts. Dementsprechend sieht die Statistik aus. Die erfolglosen Projekte stranden mit einer sehr niedrigen Quote von weniger als 25%:
Funding-Quote erfolgloser ProjekteFunding-Quote erfolgloser Projekte
Die meisten erfolgreichen Projekte überschreiten die Zielsumme meistens nur knapp:
Quote bei Erfolg
Wir dürfen wohl vermuten, das die Projekte selbst ein wenig nachhelfen, sobald eine kritische Schwelle überschritten ist. Und diese kritische Schwelle scheint recht niedrig zu sein und unter 25% zu liegen. Im Klartext: Sind von 4.000 Euro Wunschbetrag rund 1000 Euro erreicht, legen die Gruppen wohl selbst etwas drauf, um die tausend Euro „mitzunehmen“.

In einem weiteren Beitrag versucht die alte Gouvernante der deutschen Medien dem US-Vorbild der deutschen Crowdfunder ans Leder zu gehen: „Crowdfunding: Kickstarter versteckt erfolglose Projekte“ Dahinter steckt: Kickstarter sagt der  Google-Suchmaschine, also einem Hassobjekt der deutschen Print-Gemeinde: „Finde keine erfolglosen Projekte!“  Schauen wir uns die Zahlen einmal an. Am 16. Dezember liefen auf Kickstarter die letzten 48 Stunden für genau 136 Projekte, um Geld zu gewinnen. Das Ziel dieser Gruppen war es, insgesamt 1.501.900 US-$ und 7.100 £ zu sammeln. Davon hatten sie bereits über 1,3 Millionen Dollar erreicht. Der Grad, mit dem die Projekte ihr Ziel bereits vor Ablauf der Frist erreicht hatten, lag zwischen 10% der Zielsumme und dem Zehnfachen des Zieles. Wegen des beschriebenen Alles-oder-nichts-Prinzips wären zu dem Zeitpunkt 64, also knapp die Hälfte der Projekte leer ausgegangen. Auch deutsche Projekte bewerben sich bei Kickstarter. Kein Wunder: Bei der schlechten Presse in Deutschland. Doch auch auf diesem Gebiet wird sich die Internet-Gemeinschaft nicht nach den Unken unter den deutschen Intelellen richten, sondern wie in den vergangenen 20 Jahren nach den real gegebenen Chancen, die hier zu entdecken sind. Da soll man sich von keinem Altabkanzler blauen Dunst vormachen lassen.