Archive for the 'Promulgarologie' Category

Okt 19 2011

Promulgarologie – was ist denn das schon wieder?

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Nun, es wird der geneigten Leserin sicherlich schon häufiger passiert sein: Sie sieht ein Schild, das uns etwas bekannt machen soll,

Zwiebelschild in Wackerballig

und sie steht davor und versteht nur Bahnhof. Was soll das bedeuten? Was will es uns sagen? Denn wir erwarten doch immer, dass uns jemand etwas bekannt machen (lateinisch: promulgare) will, wenn er sich die Mühe macht, ein solches Schild aufzuhängen. Schilder, Karten, Transparente zeigen, um etwas bekannt zu machen, das nennt der Wissenschaftler Promulgatorik. Man unterscheidet dabei Schilder mit Worten oder Schilder mit Bildern, das erste nennen wir verbale Promulgatorik, das zweite bildliche oder ikonografische Promulgatorik. Benutzen wir beides, also Wort und Bild, dann nennen wir es multiple Promulgatorik.

Die Wissenschaft, die sich mit der praktischen Promulgatorik befasst, heißt nun Promulgarologie. Sie analysiert und erkundet, was die Botschafterinnen und Botschafter mit Schildern kundtun können, wollen und dürfen.  Diese Lehre wird in der Zukunft immer größere Bedeutung erlangen. Denken wir nur an die Schilder, die allen Menschen signalisieren soll: “Verbrauche dieses Produkt, denn es ist das Beste”, die sogenannten Logos. Sie sind das A&O im modernen Geschäftsleben. Sie sind so wichtig, dass sie von manchem Interessenträger dauerhaft boykottiert werden. Hier haben wir es also schon mit einer Anti-Promulgatorik-Bewegung zu tun, was um so mehr die Bedeutung dieses unterbewerteten Zweiges der modernen Kommunikationswissenschaft  andeuten mag.

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Aug 23 2011

Neues aus Schildistan

Published by under Fotos,Promulgarologie

Für unsere beliebten Reihe ‘Ein Bild spinnt mehr als tausend Wörter…” haben wir in diesem Sommer eine besonders schöne Beute gemacht. Den ersten Preis bekommt der Küstenort Wackerballig an der Geltinger Bucht:

Zwiebelschild in Wackerballig

Bei jedem Schild kommt es auf den Kontext an:

Zwiebelschild in Wackerballig

Wir müssen wohl kaum hinzufügen, dass dieses Schild an die Wand eines Restaurants geschraubt ist.

Wir sehen: Auch Schilder, Handwagen und Segler haben das Recht auf ein angemessenes Ambiente. Das letzte Zeugnis hervorragender deutscher Schild-Kultur in Wackerballig erscheint wie ein früher didaktischer Versuch Verbote in Gebotsästhetik zu betten.

Baden verboten ist geboten.

Seglerliegeplätze scheinen für den ambitionierten Promulgarologen erstaunlich ergiebige Orte zu sein:

Nicht angelradeln in Kappeln Nicht radeln, nicht angeln in Kappeln. O.K. nicht sonderlich preiswürdig, dafür hier ein Beleg dafür, wie schwer es der es der Promulgariker hat, bürokratischen Begriffen positiv und knapp aufn Schild zu bannen:

Preiswürdiger allerdings erschien uns das folgende Beispiel, den Verkehr in Rendsburg zu illustrieren:

Promulgarische Meisterleistung“Balancieren Sie stets ein Auto auf dem Kopf, wenn Sie stufenlos nach rechts abwanden.” Welch eine Poesie auf einem deutschen Schild! Eindeutig: zweiter Platz.

Angelische Würstchenkultur

Das Satruper Kulturzentrum lebt vom Würstchen, es gibt in der Nähe auch einen Werksverkauf, der Besuch lohnt sich. Damit das kulturelle Gesamtgefüge in Satrup sich nicht allzu geordnet ausnimmt, hat die Gemeinde auch einen Umweltpreis bekommen. Wozu das viele Gerede? Nun, wir wollten Euch ein wenig auf die Folter spannen, wer den dritten Platz errungen hat: ein einfacher Bürger aus Kappeln in Angeln:

Der Garten der Hund und der Löwe

Glückwunsch!

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Aug 22 2011

Logo-Kult und eine Gegenwehr

“Das Logo!” in kommerziellem Umfeld ist allein dieser Satzteil ein Toidesurteil für jede Idee. Denn man kann damit alles verbinden und nichts, deshalb ist allein das Wort geeignet, jegliches Handeln eines Unternehmens zu lähmen. Jetzt verpixelt die taz für eine Weile die Sportler im Paket ‘Leibesübungen’. (Liebe Logo-Anbeter, keine Angst: nur für vierzehn Tage!)

DeuBa hochverpixeltDie zuständigen Werbeagenturen haben diesen Medien-Event schon vorgedacht. Sie haben Logos, die trotz aggressivster Verpixelung noch durchscheinen, wie das links stehende Bild belegt. Oder ahnst Du etwa nicht, wer hinter dem verpixelten Bild steckt?

Egal! Das verpixelte Logo macht deutlich: Die Grafiker, die für diese Agentur gearbeitet haben, waren noch nicht konsequent genug, Konsequenter war nur die Deutsche Telekom. Sie hat sich auf eine Farbe beschränkt. Ihr Logo wird eines Tages nur noch aus einem Farbfleck bestehen. Erkannt, nicht wahr?

Ein einzelnes Pixelchen genügt also, um alles über einen Konzern auszudrücken. Das ist die geniale Kunst der Logo-Entwicklung. Man muss diesem unverpixelbaren Pixel dann nur noch das Unverwechselbare geben. Genau das ist es, was den Telekom-Leuten gelungen ist.

Was bedeutet dies für alle die vielen kleinen Krauter, die Tage, Wochen, ja manchmal sogar Monate damit verbringen, ihr eigenes Logo zu entwickeln? Nimm ein einfaches handelübliches Logo eines mittelständischen Unternehmens, skaliere es auf ein quadratisches Außenmaß und wende ein Filter zur Verpixelung an. Das sieht dann aus, wie auf der Grafik links.

Das wird viele Menschen, die allerlei Mühe aufwenden, ihre Logos zu entwickeln, nicht befriedigen. Sie können sich in einer weich gespülten Variante auf die Zukunft hinzubewegen: Alle zehn Jahre einen Verpixelungsschritt nach vorn. Oder Du musst die Strategie vollständig ändern. Du lässt einfach kein Logo mehr entwickeln, sondern Du entscheidest Dich für ein Wappen (Familienunternehmen), einen Wimpel  (Verein) oder ein Siegel. Welch ungeahnte Möglichkeiten für die Werbung – nur nicht im Printmedium.

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