Archive for the 'Allgemeines' Category

Jun 04 2011

Die kalkulierten Missverständnisse

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Begegnungen mit der Vergangenheit sind schon verflixt seltsam. Plötzlich steht so ein ewiger Stasispitzel vor Deiner Nase und Du spürst es im ersten Moment: “Da sind sie wieder!” Sie sind alle auf die gleiche unspektakuläre Art gleichgerichtet, dass es einem gruselt. Irgendwo ist ein Knopf, und wenn Du den drückst, dann singen sie die alten Lieder. Du bist wie geblitztdingst. Zurückgebeamt. Und wenn einem solche Leute noch ernsthaft sagen: Die Menschen in dieser Gesellschaft müssen geführt werden, dann ist das Fazit kurz: Nie wieder!

Es ist gut zu wissen, was man nicht will. Punkt.

Noch ‘ne Gebetsmühle

Kurze Zeit später die Neuauflage einer ebenfalls beerdigten Debatte. Peter Singer, der ewige Utilitarist, der die Formel gefunden, nach der man weiß, was man töten darf und was nicht: Personen darf man nicht töten, alles andere darf man schon irgendwie. Zu den Personen können auch Affen oder Meerschweinchen gehören, aussortieren darf man in einzelnen Fällen auch schon mal Menschen. In der Frage, wo die Person beginnt, soll sich Peter Singer in den letzten Jahrzehnten gewandelt haben. 1989 war ihm schon ein Baby mit Retinopathia Pigmentosa zu wenig Person, bis einige dieser Un-Personen gegen ihn demonstrierten. Seine Reaktion war zweigleisig: Zum einen war ihm klar, dass er in Deutschland mundtot gemacht wird. Zum anderen begann er flammende Plädoyers zu verfassen, damit der Staat den armen schwachen Behinderten hülfe. Auch dagegen protestieren jetzt die starken Behinderten, statt dem herzensguten Peter Singer und seinen Jüngern zu danken.

Als ich zum ersten Mal von Leuten hörte, die diesen Menschen verehrten – er soll ja so sanft und zart sein, dass er vegan lebe – hoffte ich noch: Sie wollen nur mal ausprobieren, wie weit sie gehen dürfen. Sie wollen alle diejenigen vorführen, die wieder auf den Bilogimus des beginnenden 20. Jahrhunderts reinfallen. Aber nein, auch dieses Mal ist es wie immer: Es wird immer wieder derselbe Schrott neu erfunden und jedesmal ist er ernst gemeint. Mühle! Gebetsmühle!

Und die Erwischten, die es merken, schreien Zeter und Mordio: Ihr habt uns doch nur missverstanden! Tja, Leute, denn drückt Euch doch jetzt bitte mal unmissverständlich aus!

 

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Mai 10 2011

Moderation oder Politik?

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Die Zukunft suchen – aber wie?
Meldorfs schöne WinkelNach allem, was man hört, hat der Meldorfer Kommunalpolitiker Horst-Walter Roth ganz schön viel in Meldorf bewegt. Jetzt fordert er die Bürgerinnen und Bürger auf, sie sollten eine Zukunftsvision für das charmante Städtchen entwickeln. Das klingt zunächst einmal gut, aber so schreibt Roth in der Gazette seiner Partei, im Lotsen, dieser Prozess solle von erfahrenen Moderatoren begleitet werden. Das erscheint mir befremdlich. Wir Bürger wählen unsere Kommunalpolitiker, damit sie die Geschicke unserer Gemeinschaft zu gestalten. Offenbar sind unsere Gewählten damit überfordert und beauftragen abwechselnd Gutachter, Berater oder Moderatoren. Ist das der richtige Weg?

Warum sollen wir Politik doppelt bezahlen?
Wie oft kauft die Kommune, das Land, der Bund Gutachten über Gutachten, Beratung über Beratung ein und hinterher ist derselbe Zwist unter den Parteien vorhanden wie vorher, nur haben eben zwischendurch die Berater daran verdient. Beratung ist die Kunst der Eunuchen, sagt ein böses Wort, denn die Eunuchen wüssten, wie’s geht. Moderatoren sind nicht viel besser. Sie erklären uns, dass alles, was wir wahrnehmen, subjektiv sei, und dann spielen sie uns vor, sie seien Subjekte, die sich aus dem kontroversen Prozess heraushalten könnten, den sie moderieren. So besehen sind ModeratorInnen eine Inkarnation der Quadratur des Kreises. Und wem das nicht reeicht: Das Wort moderieren bedeutet nicht nur besänftigen, sondern auch steuern und lenken. Ein Schelm, der Schlechtes dabei dächte. Wenn es das ausgeklügelte politische System nicht mehr schafft, die anstehenden Entscheidungen selbst zu moderieren, dann müssen wir uns ein besseres System überlegen. Unsere künftige Lebenswelt sollten wir besser selbst steuern und lenken als gekaufte Moderatoren und Experten.

Experten sind meistens von gestern
Expertenwissen ist meist VergangenheitDer Blick der Experten ist immer ein Blick aus der Vergangenheit heraus: Experten wissen nicht mehr als das, was schon mal da war. Ihnen fehlt die Neugier auf das, was ungewöhnlich ist, ihnen fehlt all das Subjektive, dass unsere Zukunft für Jung und Alt spannend machen kann. Ein Beispiel: Die Dithmarscher Landeszeitung porträtierte kürzlich eine junge Frau, die aus Dithmarschen kommt. Sie hat in Hamburg Modedesign studiert und kämpft jetzt dafür, dass fair gehandelte, ökologisch produzierte und von ihr schick designte Baumwollstoffe auf den Markt kommen. Vielleicht ist den DLZ-Leserinnen und -Lesern entgangen, dass sehr viele junge ModedesignerInnen nur noch für schicke, fair gehandelte ökofreundliche Kleidung arbeiten wollen. In Hamburg verhökern viele von ihnen das eigene ökofaire Label lieber selbst mühevoll übers Internet, als sich vom Expertenwissen der Konzerne in eine andere Richtung scheuchen zu lassen.

Politik darf die Steilvorlagen nicht verpassen
In die Zukunft nur mit WeitblickWahrscheinlich kann die junge Modedesignerin viel zur Zukunft Meldorfs beitragen. Sie hat eine Idee, wie die Zukunft aussehen kann, sie ist neugierig auf Neues, sie ist kreativ.  Welcher Moderator aus Hamburg oder Kiel würde diese Frau einladen und fragen: Was müsste Meldorf tun, damit Du Deine Zukunft hier vor Ort siehst? Welcher Moderator würde auf Anhieb wissen, welche Vorteile Meldorf den jungen Hamburger Kreativen bieten kann? Die Zeitung hat eine Steilvorlage für die Politik geliefert, die darf die Lokalpolitik nicht verpassen. Wie beim Modedesign kommt es bei konkreten Ideen für die Zukunft darauf an, das Wissen über die verschiedenen Stoffe mit dem Wissen über den Lebensstil und die Wünsche der Kundschaft und mit der Freude am Ausprobieren des Neuen zu verbinden. Wer solche Ideen hat, ist in Meldorf ganz schnell bekannt wie ein bunter Hund. Deshalb lautet meine Gegenthese zu Horst-Walter Roths Vorschlag: Zunächst müssen alle bunten Hunde gefunden werden, die wirtschaftlich oder gesellschaftlich in Meldorf kreativ werden wollen. Die DLZ leistet ihren dazu ihre Beiträge, die Kommune muss nur noch entscheiden, ob und wie sie die kreativen bunten Hunde fördern will.

 

 

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Mai 10 2011

Sehnsucht nach Diktatoren

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Ein Böblinger Polizist erklärt vor Gericht: Er habe seine Krankschreibung 2007 genutzt, um sich in Libyen fortzubilden. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung ausführlich, andere Gazetten drucken den DAPD-Bericht.  Der Polizist habe wie ein paar andere Kollegen auch auf Einladung der ostfriesischen Sicherheitsfirma BDB Protection (inzwischen insolvent) dort zuschauen dürfen, wie Soldaten der libyschen Diktatur den Häuserkampf üben. Auch hat er über 400 Schuss Munition in seinem Spind gehortet. Der Polizist, der nicht mit Namen genannt wird, hat sicherlich auch für diese kriminelle Handlung eine schicke Räuberpistole parat haben. Wo man so dreist wie geschickt lügen lernte? Der 44jährige Mann lernte Terrorabwehr bei der Nationalen Volksarmee der DDR und siedelte mit dem Beitritt der DDR zum Sondereinsatzkommando des freien Westens über.

Haben wir gerade von Stas-IM Swantje gelernt, dass der Zweck (“Weltfrieden”) jegliches Mittel geheiligt habe und die Opfer der DDR-Staatssicherheit sozusagen ein Kollateralschaden der guten Sache waren, so müssen wir uns in diesem Fall des NVA-Veteranen eines anderen belehren lassen. Offensichtlich ging es den Weltfriedenskämpfern der NVA nicht um das Ziel, sondern nur um die Anwendung der Mittel: möglichst hinterhältig feige im Stil und brutal in der Sache, für wen ist egal, Hauptsache er zahlt.
Aber vielleicht ist die Sache ja noch viel viel einfacher. Wenn Armeen erst einmal Spezialkampfroboter ausgebildet haben, wollen die auch spezialkämpfen. Wenn Geheimdienste erst einmal ein Lügenroboter ausgebildet haben, wollen die auch lügen. Oder gibt es eine Sehnsucht nach Diktaturen? Das klingt wohl doch ein bisschen gruselig.

 

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Apr 20 2011

Die Dekadenz der Spitzel

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Es war still im Kurs, gelacht wurde nur in Ausnahmefällen. Die Trainerin kündete monoton: “Lächeln Sie, begegnen Sie Ihrem Publikum immer mit einem gewinnenden Lächeln.” Die Einzige, die diesen Wunsch des Publikums nicht erfüllte, war die Trainerin selbst. Doch das kannte ich schon, genau so still war es auch, wenn Heinz D. Stuckmann vor der Gruppe saß. Heinz D. Stuckmann war Direktor der Kölner Journalistenschule, dort lernte ich 1986 Nachrichten zu schreiben. Was wir damals noch nicht wussten: Stuckmann war als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der sogenannten Staatssicherheit der DDR tätig, um unter dem Decknamen IM Dietrich Leute für die Unterdrückngsmaschine Stasi anzuwerben. Unsere Gruppe widerstand seinem Ansinnen, wir wollten ihn nicht als Lehrer haben, wir wollten andere Lehrer.

Die Legende als Wahrheit
Jetzt im April 2011 servierte mir die Firma FITS Job Konzepte GmbH, Hamburg, wieder eine IM, eine Inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi, IM Swantje. Ende der 70er spionierte sie in der DDR, seit den 80er Jahren im Westen. (Beleg: SWR 2009) Was genau ihre Aufgabe im Westen war, wissen wir nicht, sie hatte nach eigenen Angaben den Weltfrieden im Visier. Man weiß nur eines: Stasileute haben alle Informationen über die Personen in ihrem Umfeld aufgezeichnet und an ihre Führung berichtet. Persönliche Schwächen, Ängste oder Mängel dieser Personen waren für die Geheimdienste besonders spannend, denn jede Angst, jede Schwäche, jeder Mangel macht einen Menschen erpressbar. IM Swantje hat im Jahr 2011 folgende Aufgaben: Unterrichten, wie man bei Bewerbungen mit der eigenen Biografie umgehen solle, und einen Bericht über jede Person an die Agentur für Arbeit schreiben. Auch im Jahr 2011 präsentierte sie sich ihren Kontaktpersonen m Kurs mit derselben Legende, mit der die Stasi IM Swantje einst in den Westen einschleuste. Glaubwürdig? Geschönt? Oder verlogen? Wie man sich präsentiert, so lebt man. Erst das Googeln im Internet gab uns KursteilnehmerInnen ihren wirklich Auftrag preis: im Westen für die Ideologie des DDR-Staates zu agitieren, für Erich Mielke zu spionieren oder Agenten anzuwerben.

Konsumieren für den Weltfrieden
Es ist völlig egal, ob man die Memoiren des IM Dietrich liest (Rezension Deutschlandradio), Archivaufnahmen des Chefkommentators des DDR-Fernsehens ansieht, oder IM Swantjes Rechtfertigung im Jahr 2011 anhören musste: Sie stellen sich als Opfer des kapitalistischen Klassenfeinds dar, ja sogar als Botschafter des Weltfriedens; die Verbrechen der Stasi werden zum Kollateralschaden der notwendigen Entwicklung der Weltgeschichte, und die miefige DDR betrachten sie als das bessere Deutschland. Und alle drei haben eines gemeinsam: Sie waren den Verführungen des Westens verfallen. Der Chefkommentator pflegte zum Shopping nach Westberlin zu reisen, IM Dietrich fuhr mit seinem schwarzen Porsche über sein herrschaftliches Gut Schillingsrott und IM Swantje fiel schon im ersten West-Job wegen ihrer teuren Klamotten auf. Dreimal dieselbe Dekadenz, dieselbe Rhethorik, dasselbe Gejammer. Kann mich jemand verstehen, dass ich diese feige und doppelbödige Stasibande nirgendwo ertragen mag?

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Mrz 15 2011

Grüße von Samsung

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Markenwerbung wird immer skurriler, und immer mehr fallen drauf rein. Kürzlich bekam ich eine Nachricht mit dem Gruß “Grüße Von Samsung-Tablet” Da hatte der Markenifetischist vergessen, seinen Namen drunter zu schreiben, aber zum Ausgleich das Wörtchen ‘gesendet’ gelöscht. Lustig möchte man meinen, aber in Wirklichkeit steckt dahinter, dass die Penetration durch Werbung immer tiefer in das private Leben eindringen soll. Wer weiterhin Mails von den Trägern der Markenwerbung erhalten will, muss künftig auch alle möglichen Junk-Mails einzeln heraussuchen und kann nicht mehr auf seinen Junk-Filter vertrauen. Ein Schölm wer Schlöchtes dabei döchte.
Auch wenn ich Gefahr laufe, mich selbst als notorischen Schlimmfinder zu denunzieren: Ich finde es schlimmdumm. Es gibt so viele Inhalte, die Industrie und Werbung mitteilen müssten. Zum Beispiel dass Raffinerien braucht, wer Benzin und Heizöl kaufen will. Oder Windparks müssen sich wuschwusch bewegen, wenn man Strom verbrauchen will. Aber darüber reden wir nicht, sondern wuschwusch: Ich grüße Euch mit Samsung.

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Mrz 01 2011

Verteidigung Guttis gegen den Strom

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Der geneigte Leser, die geneigte Leserin möge mir verzeihen, dass ich den Adel nicht adele. Ich möchte von Gutti reden, weil ihn diese Anrede uns näher bringt. Gutti ist der, den wir mögen, nicht der Mann mit den fettigen Haaren und den vielen Präpositionen im Namen. Der Mann, der handeln kann, auch wenn sich alle bürokratischen Schranken eigentlich dagegen entscheiden. Den Mann, den BILD liebt, weil er eben nicht alles schafft, was er schaffen sollte. Um das zu begreifen, müssen wir die Fragestellung, die mit seinem Namen verbunden ist, umdrehen.

“Kind, wenn Du Dich nicht anstrengst, … “
Im Fall Gutti wird zur Zeit diskutiert, ob er abschreiben dürfe. Die Frage, die wir uns stellen sollten, lautet: Müssen wir nicht abschreiben, um bestehen zu können. Um bestehen zu können, brauchen wir einen Job. Um einen Job zu bekommen, so sagen wir den Jugendlichen, braucht man eine gute Ausbildung. Und die jugendlichen wissen: Ohne einen guten Abschluss, ist die beste Ausbildung nichts wert. Dies ist eine logische Wenn-Dann-Kette, das zweite folgt aus dem Ersten. Jeder Logiker weiß, dass man diese Kette nicht umdrehen darf. Wenn man die Kette umdreht darf man höchstens sagen: Wer keine gute Ausbildung hat, bekommt man auch keinen guten Job.

“Die wollen doch bloß alle nicht … “
Ob das stimmt, kann man bezweifeln. Denn ob Pamela Anderson, Paris Hilton, Veronika Ferres, Diktator Ghadaffi, Gutti oder Lehrer Lämpel eine gute Ausbildung hatten, das wissen wir alle nicht so genau. Und das ist wohl auch der Grund, warum die falsche Schlussfolgerung aus der genannten Schlussfolgerungskette in der öffentlichen Debatte die Hauptrolle spielt: Wer einen guten Abschluss hat, ist auch nicht arbeitslos. Auch diese Aussage stimmt nicht, reicht aber dafür aus, dass BILD & Co. alle Erwerbslosen mit dem Stempel versieht: „Die wollen bloß nicht, denn die haben ja eine gute Ausbildung!“

BILD-Leute als Lehrer der Nation
Pikanter Weise habe ich vom einem BILD-Mann gelernt, wie man Nachrichten schreibt. Dieser BILD-Mann war, wie man in Akademiker-Kreisen zu sagen pflegt, ein abgebrochener Theologe. Und selbst nachdem er einen Journalisten-Kollegen öffentlich denunziert hatte, behielt er einen fetten Job und wurde freier Rundfunkkorrespondent für öffentlich-rechtliche Sender. Mit diesem Einzelbeispiel für schlechte Ausbildung und guter Job könnte man die gängige BILD-Logik widerlegen. Aber zu denken ist nicht die Stärke des Populismus, deshalb verdrängen die BILD-Leute ihre eigenen Versager. Nur wenn ein Gutti kommt, einer der Ihren, ein Prüfungsversager, dann verteidigen sie ihn: Ist doch nicht so schlimm, kann uns doch allen mal passieren.

Bitte nicht so ideologisch!
Und da haben sie Recht, die BILD-Leute. Und darum haben sie sich damals 1989 auch so gut mit Bärbel Bohley verstanden. Wenn die Mutter der Revolution mit langen logischen Wenn-Dann-Ketten konfrontiert wurde, sagte sie einfach: „Das ist mir jetzt zu ideologisch!“ Ja, das stimmt! Die Argumentationslogiken von Systemen sind sehr oft viel zu ideologisch. Und falsch ist es, was da so populistisch mit Diekmann-Gel auf Papier geklebt wird. Und darum brauchen wir Gutti, einen Mann mit Mumm, aber ohne vollständige Ausbildung. Aber bitte schickt uns endlich mal einen Gutti, der auch den Mumm hat, öffentlich die Wahrheit zu sagen: Man braucht keine gute Ausbildung, um einen guten Job zu bekommen, sondern Beziehungen. Aber so lange wir uns einen Wunsch-Gutti nicht backen können, müssen wir den nehmen, den wir haben.

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Feb 13 2011

Lügen mit korrekten Zahlen

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Unsereiner geht regelmäßig in die Luft, wenn ihm ein werbischer Zahlenlügner ein X für ein U vormachen will. Kürzlich flatterte eine Werbung für eine privaten Lebensversicherung ins Haus, die fett und kursiv mit 9,5% Rendite warb. Sternchen, Kleingedrucktes werden natürlich nur zwei Prözentchen garantiert, und ob die eines Tages auch staatlich gerettet werden müssen, steht heute noch nicht fest.
Dass sich aber auch die ach so feine Stiftung Warentest auf die Agenda 2010 der Zahlenlügner setzt, das lehrt der Band ‘Lügen mit Zahlen’ von Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff. Sauber und leicht verständlich reiten die Autoren durch die Trickbaukästen der Manipulatoren. Sie schaffen es, auch komplizierte Tücken der Statistik unterhaltsam und verständlich aufzubereiten. So lehrt uns das Buch, wie wir dem berüchtigten Simpson-Paradox nicht mehr auf den Leim gehen. Künftig werden wir nach differenzierteren Daten und Fakten fragen, wenn uns einer weis machen will, dass Rauchen länger leben als Nichtraucher.
Ratlos bleiben wir nur in dem einen Punkt: Was mag die besser verdienenden Demagogen nur bewegen, die mit aller Gewalt und dreistesten Lügen ausgerechnet die armen Leute in den Dreck ziehen? Ist es die Ethik ihres christlich-jüdischen Kulturkreises im beginnenden 21. Jahrhundert? Oder ist tatsächlich die Feigheit zur geistig-moralischen Grundlage des politischen Handelns der westlichen Welt geworden? Sei’s drum, alle einsamen Indianer, die die Fährten der verdrossen machenden Lügen der abendländischen Politverführer aufdecken wollen, müssen dieses BBuch zur Hand nehmen (und bestellen beim Peter-Panter-Buchladen bestellen) oder die Webseite der Autoren beuschen: luegen-mit-zahlen.de

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Jan 30 2011

“Jagd auf einen Menschen” neu gelesen …

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Die Lebenslügen der Politik führen für die Betroffenen zu gemeinen Zynismen. Eine dieser Lebenslügen ist: Wer eine gute Ausbildung hat, wird auch nicht arbeitslos. Komischer Weise sind die Trainings für arbeitslose Akademiker hoffnungslos überbucht. Die alte Morgensternsche Regel, dass nicht sein könne, was nicht sein dürfe, feiert fröhliche Urständ. Aber wen wundert’s? Schließlich lassen wir uns von Juristen regieren.

Die arbeitslosen Akademiker nehmen dann in ihrer Ausgrenzung unterbezahlte Dozentenjobs an. ‘Deutsch für Ausländer’. Wer sich so mit Stundenhonoraren von 15 oder 20 Euro erst einmal tausend Euro für Miete und Essen verdient, sitzt dann schon wieder in der Falle. Dann kommt nämlich die Bundesversicherungsanstalt für angestellte Gewerkschafter und Fettverdiener und verlangt 400 Euro monatlich. Pikanter Zynismus dabei ist, dass alle anderen Akademiker, die sich dort für 400 frewillig versichern wollen, von der BfA abgewimmelt werden. Die freiwillige Rentenversicherung rechne sich nicht, heißt es dann.

Die Situation ist empörend: Die Politik versucht zum Beispiel Deutschkurse für Einwanderer so unattraktiv wie möglich zu machen, indem sie zu wenig Geld dafür bewilligt. Kirchliche und soziale Einrichtungen, die als Träger dieser Deutschkurse dann bereit sind, die Dozenten auszubeuten, bugsieren ihre Helferinnen und Helfer dann in eine gnadenlose Abzockfalle, indem sie sämtliche Risiken juristisch tipp topp auf die Ausgebeuteten abwälzen. Dann darf die Rentenversicherung die Versicherungsbeiträge fünf Jahre rückwirkend nachfordern. Da kommen schnell 20.000 Euro zusammen, die dann von 1000 Euro Umsatz pro Monat abzüglich 400 Euro Versicherung bezahlt werden müssen.(Vergleiche Harry Zingel)

Man gehe jetzt bitte nicht zur Gewerkschaft, weil man meint, dies sei eine soziale Sauerei. Die gewerkschaftliche Beratung für Selbständige findet das nämlich völlig in Ordnung. Die soziale Not ist ihnen dabei egal, schließlich wird ja mit der Versicherungspflicht eine gewerkschaftliche Forderung umgesetzt. Lieber sieht ein gewerkschaftlicher Festverdiener die selbständige Ratte in der Falle, als dass da jemand für eine Sekunde das Gehirn einschaltet.

Da wäre es doch wirklich ehrlicher, wenn wir das umsetzen würden, was Svend Åge Madsen schon 1996 in seinem Jugendroman  Die Jagd auf einen Menschen vorgeschlagen hat.


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Jan 25 2011

Arbeitsagentur hilft fix in schweren Fällen

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Der Selbsterfahrungskurs bei der A-Agentur geht weiter. Die perfekte technische Hilfe kam fix schon auf die zweite Nachfrage bei der Hotline, da sind andere viel langsamer.

Dashboard Jobbörse nach dem Einloggen.

Nach dem Einloggen ist die Jobbörse nur schwer zu finden.

Jetzt darf ich auch Bilanzierung lernen, online mit UMTS auf Windows 7. Herr Scherzer in Nürnberg wusste Bescheid. Die Frage, ob der Öffentliche Dienst heute noch wirkungsvoller helfen darf als die Privatwirtschaft, wird er mir nicht beantworten dürfen.

Der Wille, gute Produkte an den Markt zu bringen ist jedenfalls da. Allerdings scheint es keiner zu wissen, dass die Agentur ein spannendes Angebot zu bieten hat. Meine eifrige Umfrage unter vier webfreundlichen Jobsuchern hat ergeben: KeineR hat auch nur einen Hauch einer Vorahnung, dass es das gibt.

Kein Wunder dass sich das System offenbar langweilt.

Runterscrollen und dann rechts klicken.

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Auch eine Suche bei Google News zeigt, dass man nur in Mühldorf davon erfährt. Mühldorf  liegt in der Oberpfalz, ein Lob in den Süden, aber das ist ja auch nicht so weit von Nürnberg entfernt. Das Hamburger Abendblatt informierte ihre Leser zwei Tage vor Weihnachten 2010 darüber, dass man seit 2009 die Lernprogramme nutzen kann – das nenne ich aktuell! Na man muss fair bleiben: In der Lüneburger Ausgabe hat es das Abendblatt schon im September 2010 berichtet :) Wer mehr im Web lesen will, muss bezahlen. Wie gut dass wir von WikiLeaks preisgünstiger informiert werden.

Doch wahren wir die Fairness gegenüber den Springer-Leuten: Spiegel, Frankfurter Rundschau – Fehlanzeige! Aber wenigstens ehrlich, denn das Handelsblatt antwortet auf meine Suchanfrage nach: “Lernbörse Agentur Arbeit” damit, dass die Zinsen für Lebensversicherungen weiter sinken. Wer jemals den Dadaismus für absurden Unsinn gehalten hat, wird eines Besseren belehrt: Das Handelsblatt kann alles besser.

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Jan 19 2011

Vom verbotenen Gemüse zur Schwarzkäserei

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Wer in der Suchmaschine nach verbotenem Gemüse sucht, findet es nicht. Statt dessen findet er Infos über Pestizide, kosmische Ernährungstipps, Warnungen vor Giften und Tipps für die Schwangerschaft.

Aber es gibt sie tatsächlich, die verbotenen Gemüse. Es gibt super leckere Gartenfrüchte, die man allerdings nicht verkaufen darf. Der Verkauf ist verboten. Warum? Sie genießen keinen gewerblichen Rechtsschutz, so nennen die Juristen das. Erlaubt sind nur amtlich zugelassene Gemüsesorten und die müssen der Industrie genehm sein. Und was der Industrie genehm ist, das ist teuer. Alle Bauern und Marketender, die müssen gehorchen. Volkswirte nennen das Beschränkung des Marktzugangs. Nur Hobbygärtner dürfen etwas anderes essen. Die nennt man freie Sorten und es ist ein Geheimnis von Kleingärtnern und anderen Außenseitern, wie man an solche extravaganten Gemüse herankommt. Kleingärten also für diejenigen, die das ganz Besondere lieben. Das ist schon sehr speziell, gell?

Wie kommt man an die sehr speziellen Sorten ran?

Nun es gibt Züchter, bei denen man sogenannte freie Sorten bekommen kann. Sofern man die Ernte nicht auf dem Markt verkauft. Kleingärtner also, die dürfen das für sich persönlich verwenden: säen, züchten, ernten, essen. Wer Gemüse nur zu kaufen in der Lage ist, der bekommt das nicht zu essen. Der bekommt nur Qualitätsgemüse aus amtlich sanktionierter Einfalt: quadratisch, praktisch, langweilig.

Manch einen wird das an eintönig graue, realsozialistische Verhältnisse erinnern. Ist aber nicht so, denn im Kapitalismus werden viele verschiedene bunte Aufkleber auf den Einheitsbrei geklebt. Das nennt man dann die hohe Kunst der Markenführung. Wir dürfen gespannt sein, wie lange es dauert, bis die deutschen Einheitsjuristen uns auch die ‘freien Sorten’ verbieten. ‘Freie Sorten’ ist übrigens ein Begriff, der sich auch schon beim Käse mehr und mehr durchsetzt. Schauen wir mal: Vielleicht gibt es ja schon bald eine internationale Hetzjagd wegen Schwarzkäserei.

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