Archive for Mai, 2011

Mai 10 2011

Moderation oder Politik?

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Die Zukunft suchen – aber wie?
Meldorfs schöne WinkelNach allem, was man hört, hat der Meldorfer Kommunalpolitiker Horst-Walter Roth ganz schön viel in Meldorf bewegt. Jetzt fordert er die Bürgerinnen und Bürger auf, sie sollten eine Zukunftsvision für das charmante Städtchen entwickeln. Das klingt zunächst einmal gut, aber so schreibt Roth in der Gazette seiner Partei, im Lotsen, dieser Prozess solle von erfahrenen Moderatoren begleitet werden. Das erscheint mir befremdlich. Wir Bürger wählen unsere Kommunalpolitiker, damit sie die Geschicke unserer Gemeinschaft zu gestalten. Offenbar sind unsere Gewählten damit überfordert und beauftragen abwechselnd Gutachter, Berater oder Moderatoren. Ist das der richtige Weg?

Warum sollen wir Politik doppelt bezahlen?
Wie oft kauft die Kommune, das Land, der Bund Gutachten über Gutachten, Beratung über Beratung ein und hinterher ist derselbe Zwist unter den Parteien vorhanden wie vorher, nur haben eben zwischendurch die Berater daran verdient. Beratung ist die Kunst der Eunuchen, sagt ein böses Wort, denn die Eunuchen wüssten, wie’s geht. Moderatoren sind nicht viel besser. Sie erklären uns, dass alles, was wir wahrnehmen, subjektiv sei, und dann spielen sie uns vor, sie seien Subjekte, die sich aus dem kontroversen Prozess heraushalten könnten, den sie moderieren. So besehen sind ModeratorInnen eine Inkarnation der Quadratur des Kreises. Und wem das nicht reeicht: Das Wort moderieren bedeutet nicht nur besänftigen, sondern auch steuern und lenken. Ein Schelm, der Schlechtes dabei dächte. Wenn es das ausgeklügelte politische System nicht mehr schafft, die anstehenden Entscheidungen selbst zu moderieren, dann müssen wir uns ein besseres System überlegen. Unsere künftige Lebenswelt sollten wir besser selbst steuern und lenken als gekaufte Moderatoren und Experten.

Experten sind meistens von gestern
Expertenwissen ist meist VergangenheitDer Blick der Experten ist immer ein Blick aus der Vergangenheit heraus: Experten wissen nicht mehr als das, was schon mal da war. Ihnen fehlt die Neugier auf das, was ungewöhnlich ist, ihnen fehlt all das Subjektive, dass unsere Zukunft für Jung und Alt spannend machen kann. Ein Beispiel: Die Dithmarscher Landeszeitung porträtierte kürzlich eine junge Frau, die aus Dithmarschen kommt. Sie hat in Hamburg Modedesign studiert und kämpft jetzt dafür, dass fair gehandelte, ökologisch produzierte und von ihr schick designte Baumwollstoffe auf den Markt kommen. Vielleicht ist den DLZ-Leserinnen und -Lesern entgangen, dass sehr viele junge ModedesignerInnen nur noch für schicke, fair gehandelte ökofreundliche Kleidung arbeiten wollen. In Hamburg verhökern viele von ihnen das eigene ökofaire Label lieber selbst mühevoll übers Internet, als sich vom Expertenwissen der Konzerne in eine andere Richtung scheuchen zu lassen.

Politik darf die Steilvorlagen nicht verpassen
In die Zukunft nur mit WeitblickWahrscheinlich kann die junge Modedesignerin viel zur Zukunft Meldorfs beitragen. Sie hat eine Idee, wie die Zukunft aussehen kann, sie ist neugierig auf Neues, sie ist kreativ.  Welcher Moderator aus Hamburg oder Kiel würde diese Frau einladen und fragen: Was müsste Meldorf tun, damit Du Deine Zukunft hier vor Ort siehst? Welcher Moderator würde auf Anhieb wissen, welche Vorteile Meldorf den jungen Hamburger Kreativen bieten kann? Die Zeitung hat eine Steilvorlage für die Politik geliefert, die darf die Lokalpolitik nicht verpassen. Wie beim Modedesign kommt es bei konkreten Ideen für die Zukunft darauf an, das Wissen über die verschiedenen Stoffe mit dem Wissen über den Lebensstil und die Wünsche der Kundschaft und mit der Freude am Ausprobieren des Neuen zu verbinden. Wer solche Ideen hat, ist in Meldorf ganz schnell bekannt wie ein bunter Hund. Deshalb lautet meine Gegenthese zu Horst-Walter Roths Vorschlag: Zunächst müssen alle bunten Hunde gefunden werden, die wirtschaftlich oder gesellschaftlich in Meldorf kreativ werden wollen. Die DLZ leistet ihren dazu ihre Beiträge, die Kommune muss nur noch entscheiden, ob und wie sie die kreativen bunten Hunde fördern will.

 

 

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Mai 10 2011

Sehnsucht nach Diktatoren

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Ein Böblinger Polizist erklärt vor Gericht: Er habe seine Krankschreibung 2007 genutzt, um sich in Libyen fortzubilden. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung ausführlich, andere Gazetten drucken den DAPD-Bericht.  Der Polizist habe wie ein paar andere Kollegen auch auf Einladung der ostfriesischen Sicherheitsfirma BDB Protection (inzwischen insolvent) dort zuschauen dürfen, wie Soldaten der libyschen Diktatur den Häuserkampf üben. Auch hat er über 400 Schuss Munition in seinem Spind gehortet. Der Polizist, der nicht mit Namen genannt wird, hat sicherlich auch für diese kriminelle Handlung eine schicke Räuberpistole parat haben. Wo man so dreist wie geschickt lügen lernte? Der 44jährige Mann lernte Terrorabwehr bei der Nationalen Volksarmee der DDR und siedelte mit dem Beitritt der DDR zum Sondereinsatzkommando des freien Westens über.

Haben wir gerade von Stas-IM Swantje gelernt, dass der Zweck (“Weltfrieden”) jegliches Mittel geheiligt habe und die Opfer der DDR-Staatssicherheit sozusagen ein Kollateralschaden der guten Sache waren, so müssen wir uns in diesem Fall des NVA-Veteranen eines anderen belehren lassen. Offensichtlich ging es den Weltfriedenskämpfern der NVA nicht um das Ziel, sondern nur um die Anwendung der Mittel: möglichst hinterhältig feige im Stil und brutal in der Sache, für wen ist egal, Hauptsache er zahlt.
Aber vielleicht ist die Sache ja noch viel viel einfacher. Wenn Armeen erst einmal Spezialkampfroboter ausgebildet haben, wollen die auch spezialkämpfen. Wenn Geheimdienste erst einmal ein Lügenroboter ausgebildet haben, wollen die auch lügen. Oder gibt es eine Sehnsucht nach Diktaturen? Das klingt wohl doch ein bisschen gruselig.

 

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Mai 06 2011

Schneller als das Web erlaubt …

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Die neue Webseite http://christianefeist.com war noch gar nicht frei geschaltet, da hatte schon ein eifriger Web-User den Blog entdeckt und kommentiert. Christiane Feist hat ein Thema vorbereitet, das so interessant und brennend aktuell ist, dass es praktisch überfällig auf dem Markt der inoffiziellen Nachrichten ist. So kann’s einem gehen, und es ist ein schönes Beispiel für die Wirkung aktiver Informations-Arbeit im Web.

Das Geheimnis, das dahinter steckt, ist ganz leicht aufzulösen. Die Bau-Ing. bekommt einen Auftrag und arbeitet daran. In diesem Moment sieht sie nur alle Schwierigkeiten, die in dem Auftrag verborgen liegen. Sie merkt gar nicht, wie viele Menschen sich genau das wünschen, was sie dort zeichnet: Gewerbe zu Wohnraum. Erst in dem Moment, in dem sie ein paar Zeilen zu diesem Thema in ihren Blog stellt, hat sie die Chance zu entdecken, welchen Trumpf sie mit ihrer Arbeit in der Hand hält. Unmittelbarer kann Marktanalyse nicht sein. Besser kann Marktbeobachtung nicht funktionieren.

Jetzt mag man an jedem Blog viele 1000 Schönheitsfehler entdecken. Dem einen sind die Bilder zu groß, dem anderen die Sätze zu klein. Es ist egal! Was wirklich zählt, ist das, was man tut. Es gilt das Motto: “Wer einen Fehler findet, darf ihn behalten.” Und der einzige Fehler, den man nicht tun darf ist der Fehler, nichts zu tun. DEshalb also: Ran an den Blog, Leute!

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