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Apr 20 2011

Die Dekadenz der Spitzel

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Es war still im Kurs, gelacht wurde nur in Ausnahmefällen. Die Trainerin kündete monoton: “Lächeln Sie, begegnen Sie Ihrem Publikum immer mit einem gewinnenden Lächeln.” Die Einzige, die diesen Wunsch des Publikums nicht erfüllte, war die Trainerin selbst. Doch das kannte ich schon, genau so still war es auch, wenn Heinz D. Stuckmann vor der Gruppe saß. Heinz D. Stuckmann war Direktor der Kölner Journalistenschule, dort lernte ich 1986 Nachrichten zu schreiben. Was wir damals noch nicht wussten: Stuckmann war als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der sogenannten Staatssicherheit der DDR tätig, um unter dem Decknamen IM Dietrich Leute für die Unterdrückngsmaschine Stasi anzuwerben. Unsere Gruppe widerstand seinem Ansinnen, wir wollten ihn nicht als Lehrer haben, wir wollten andere Lehrer.

Die Legende als Wahrheit
Jetzt im April 2011 servierte mir die Firma FITS Job Konzepte GmbH, Hamburg, wieder eine IM, eine Inoffizielle Mitarbeiterin der Stasi, IM Swantje. Ende der 70er spionierte sie in der DDR, seit den 80er Jahren im Westen. (Beleg: SWR 2009) Was genau ihre Aufgabe im Westen war, wissen wir nicht, sie hatte nach eigenen Angaben den Weltfrieden im Visier. Man weiß nur eines: Stasileute haben alle Informationen über die Personen in ihrem Umfeld aufgezeichnet und an ihre Führung berichtet. Persönliche Schwächen, Ängste oder Mängel dieser Personen waren für die Geheimdienste besonders spannend, denn jede Angst, jede Schwäche, jeder Mangel macht einen Menschen erpressbar. IM Swantje hat im Jahr 2011 folgende Aufgaben: Unterrichten, wie man bei Bewerbungen mit der eigenen Biografie umgehen solle, und einen Bericht über jede Person an die Agentur für Arbeit schreiben. Auch im Jahr 2011 präsentierte sie sich ihren Kontaktpersonen m Kurs mit derselben Legende, mit der die Stasi IM Swantje einst in den Westen einschleuste. Glaubwürdig? Geschönt? Oder verlogen? Wie man sich präsentiert, so lebt man. Erst das Googeln im Internet gab uns KursteilnehmerInnen ihren wirklich Auftrag preis: im Westen für die Ideologie des DDR-Staates zu agitieren, für Erich Mielke zu spionieren oder Agenten anzuwerben.

Konsumieren für den Weltfrieden
Es ist völlig egal, ob man die Memoiren des IM Dietrich liest (Rezension Deutschlandradio), Archivaufnahmen des Chefkommentators des DDR-Fernsehens ansieht, oder IM Swantjes Rechtfertigung im Jahr 2011 anhören musste: Sie stellen sich als Opfer des kapitalistischen Klassenfeinds dar, ja sogar als Botschafter des Weltfriedens; die Verbrechen der Stasi werden zum Kollateralschaden der notwendigen Entwicklung der Weltgeschichte, und die miefige DDR betrachten sie als das bessere Deutschland. Und alle drei haben eines gemeinsam: Sie waren den Verführungen des Westens verfallen. Der Chefkommentator pflegte zum Shopping nach Westberlin zu reisen, IM Dietrich fuhr mit seinem schwarzen Porsche über sein herrschaftliches Gut Schillingsrott und IM Swantje fiel schon im ersten West-Job wegen ihrer teuren Klamotten auf. Dreimal dieselbe Dekadenz, dieselbe Rhethorik, dasselbe Gejammer. Kann mich jemand verstehen, dass ich diese feige und doppelbödige Stasibande nirgendwo ertragen mag?

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