Archive for Juli, 2010

Jul 19 2010

C: Hamburgisch für Fortgeschrittene

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Jeden Sonntag gegen halb zehn erfahren wir am Hamburger Fischmarkt von der blechernen Stimme eines Großen Bruders: “In Hamburg sagt man tschüß”, nicht etwa ‘tschüssiiiii’ wie uns die Berliner vormachen wollen oder ‘tschüßle’ wie manch Franke zungenbrechert. Aber das ist Hamburgisch für Anfänger, wir wollen uns dem Elite-Hamburgischen zuwenden, also dem Hamburgischen für Fortgeschrittene (S-Bahn-Linie 1 zwischen Othmarschen und Rissen, Bus 36 von Altona bis Blankenese).

Für unsere Fortgeschrittenen geht es um das hohe C. Wer mit dem Auto nach Hamburg rein fährt, wird sie kennen: die originelle Schreibweise des Wortes Zentrum.
In Hamburg schreibt man Centrum. Nicht überliefert ist, ob Altsprachler dieses Wort dann “Kentrum” aussprechen, denn sie sprechen Caesar ja auch nicht Zäsar aus, sondern Käsar.

Besonders hamburgische Rechtsanwälte lieben es, ihre Kollegen dann auch mit C wie Cäsar zu schreiben, das kommt von lateinisch “et collegii”, ist aber in der beliebten hamburgischen Schreibweise “Marx & Collegen” schlicht falsches Deutsch. Trotzdem soll sich dieser anwaltliche Unsinn bereits ins Hamburger Umland ausgebreitet haben.

Kürzlich stolperte ich dann im schwäbisch anmutenden Stadtteil Ottensen über ein Geschäft, das sich mit solchem geheimen Sekret schmückt:

geheime Sekret

Secret Emotion ist elite-hamburgisch für 'Sekret Gefühl'

Damit ist dann klar: Ottensen liegt tatsächlich in Hamburg und nicht in Schwaben, denn die Schwaben können richtig deutsch schreiben, aber nicht sprechen. Und die Hamburger schreiben eben wegen ihrer Elite-Gymnasien manches mit einem C, wo gar kein C hingehört. Sind sie nicht süß?

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Jul 17 2010

Sinn und Zweck des Sports im Zentrum

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Wann immer ich etwas Harmloses hinter den Ankündigungen von Sportkursen durch die Zentren der Städte vermute, werde ich eines Besseren belehrt. Heute geriet ich in einen Eisenmann-Lauf in Hamburgs Zentrum. Ein unerträgliches Geknatter tief fliegender Hubschrauber machten den Aufenthalt in den Straßen unmöglich. Unter dem Geknatter sprotzten die Kraftstrotzer zwischen zwei Menschenreihen hindurch. Manche wurden von Nahkampfpaparazzi auf Motorrädern (auch laut) verfolgt. Das gereihte Volk versuchte Paparazzi und Hubschrauber mit Jubel zu übertönen.

Ich muss bei diesem Anblick immer an Caesar denken (oder war es bei Tacitus?), der schilderte, dass die Frauen der Germanen mit entblößten Brüsten am Schlachtfeld standen, um ihre Männer im Kampf anzustacheln.

Egal. Der Krach dürfte in der Schlachten der ollen Römer ähnlich gewesen sein. Das ist nichts für zarte Seelen. Es ist nur zu verständlich, dass sich der Hamburger Bürgermeister an solchen Tagen nach Sylt verzieht.

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